Digitale Originale Podcast Keyvisual: Nahaufnahme Jeansjacke - Aufnäher Patch "DIGITALE ORIGINALE", Nadelbutton "pay the artist now!", Hund-Ansteckpin
Bevor es mal wieder länger dauert

Du willst nicht warten, bis du etwas von uns hörst? Dann schau doch in der Zwischenzeit bei unserem Podcast vorbei und lass dich von uns in die Welt der Digitalisierung mitnehmen.

Digitale Originale Podcast Keyvisual: Nahaufnahme Jeansjacke - Aufnäher Patch "DIGITALE ORIGINALE", Nadelbutton "pay the artist now!", Hund-Ansteckpin

Digitale
Originale®

ORÖ Digitale Originale Podcast Cover Episode 44: Mann mit Blasinstrument als Kopf

Podcast: aktuelle Episode

Ist KI kreativ?

Mit René Wynands

ORÖ Digitale Originale Podcast Cover Episode 44: Mann mit Blasinstrument als Kopf

Goodies Versus Illustration Baddies

Was braucht dein digitales Projekt?

Einzigartigkeit
Strategien ohne Substanz und Anschlussfähigkeit
Ergebnisse die über den Moment hinaus wirken!
Technik, die dich ausbremst statt beflügelt
Storys, die dich und deine Zielgruppe wirklich verbinden.
Vorgefertigte Templates mit Buzzword-Baukasten.
Wahrhaftigkeit in Inhalt, Gestaltung und Wirkung.
Nicht unser Ding!
Sehen wir auch so!

Digitale Originale Podcast Episoden Impressionen
ORÖ Podcast
Hier gibt's was auf die Ohren!

Der Podcast mit Olli und Freunden. Wir tauchen ein in die Welt der Digitalisierung, erzählen Erfolgsgeschichten kreativer Vordenker und diskutieren kritisch aktuelle Trends.

Der Podcast „Digitale Originale“ trägt denselben Namen wie unser Leitbild „Wir machen Digitale Originale“, weil er genau das verkörpert: echte Digitale Originale® sichtbar machen und die Denkweisen der Menschen zeigen, die die Branche prägen. In den Interviews geht es um Haltung, Inspiration und spannende Perspektiven direkt aus der Praxis.

44
Ist KI kreativ? Mit René Wynands

Ist KI wirklich kreativ? Nimmt sie uns die Jobs? Was macht das mit uns Kreativen? – Fragen über Fragen.

Anlass war ein Review von René in seinem Dub-Blog zu einem Album, bei dem sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass es wohl von KI produziert wurde. In einem Nachtrag zu diesem Review hat René seine unterschiedlichen Gedanken und Gefühle dazu aufgeschrieben.

Das haben wir zum Anlass genommen, um gemeinsam über KI, Kreativität und unsere Erfahrungen aus der Agenturarbeit zu sprechen. Herausgekommen ist ein kurzweiliger Podcast über künstliche Intelligenz, Agenturen, kreative Prozesse und die Frage, was Kreativität eigentlich ausmacht – betrachtet aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

Agentur ORÖ - oroe.de Oktober Kommunikation - oktober.de Link zum dubblog - dubblog.de

43
15 Jahre ORÖ Von Flash bis KI - Ein Talk über Technologien und Gadges im Wandel der Zeit.
Olli spricht mit seinen Kolleginnen und Kollegen über das 15-jährige Bestehen der ORÖ GmbH. Wir lassen die Technologien, die vor 15 Jahren en vogue waren, Revue passieren und sprechen über die Veränderungen, mit denen wir und die gesamte Branche durch KI konfrontiert sind. Es war ein lockerer und spontaner interner Austausch. Nachtrag der Redaktion: Olli hat sich geirrt: Im März 2011 wurde nicht das erste iPad, sondern das iPad 2 veröffentlicht.
42
Design bewegt Bild mit Arda Kilic

Arda Kilic ist Motion Designer mit Leib und Seele. Seine Arbeiten faszinieren, rücken Gewohntes in ein völlig neues Licht und bewegen mit unbändiger Kreativität im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits mit 12 Jahren entdeckte der 24-jährige Grafikdesigner aus Dortmund seine Liebe zur Bewegtbildgestaltung. Und so machte er seine Liebe zum Beruf.

Sven und Olli sprechen mit Arda über seinen großen Erfolg auf Instagram, seine Stationen in verschiedenen Werbeagenturen, seine Freundschaft zu Cihan Tamti und sein neuestes Projekt, ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm, der im März in die Kinos kommt. Eine unterhaltsame Episode mit viel Insiderwissen. Viel Spaß beim Hören.

41
Gestaltung mit Haltung Olli im Gespräch mit Johannes Brückner

Das Dortmunder Designbüro Brückner + Brückner ist bekannt für seine prägnanten, kreativen und außergewöhnlichen Kommunikationsideen. Ob für kleine oder große Kunden, die Arbeiten von Brückner + Brückner glänzen mit viel Liebe zum Detail. Olli spricht mit Johannes Brückner über Werte und Haltung und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Johannes nimmt uns mit auf seine Reise in die Welt des Kommunikationsdesigns, seinen Weg nach Dortmund und einige Einblicke in seine Arbeit. Eine kurzweilige und spannende Episode, die das Thema Haltung im Kommunikationsdesign noch einmal genauer unter die Lupe nimmt.

40
Mixed Reality-Events mit Vorzeigekind Wie kann man das Reale mit dem Digitalen verbinden?

Vorzeigekind ist eine Marketingagentur in Dortmund, die sich auf interaktives Marketing und immersive Welten spezialisiert hat. AR, VR, Videomapping, KI’s. Sie konzipieren und programmieren Anwendungen und Erlebnisse für Messen, Events, Museen und vor allem für Menschen.

Olli spricht mit Leo und Artem über Beispiele immersiver Rauminstallationen, Möglichkeiten der Sensorik, Einsatzmöglichkeiten in Innenstädten, im B2B-Bereich oder digitale Zwillinge. Die Idee ist dabei die Grundvoraussetzung für außergewöhnliche Raumerlebnisse, die von Vorzeigekind geschaffen werden.

Viel Spaß beim Zuhören.

39
Digitalberatung mit Adam Korski Der Blick von außen wirkt oft Wunder.

Als erfahrener Digital-Experte mit mehr als 15 Jahren Praxis bringt Adam Korski einen objektiven und erfahrenen Blick von außen auf Geschäftsprozesse ein, der entscheidende Impulse liefert. Seine profunde Expertise zeichnet sich durch strategisches und nutzerzentriertes Denken, analytische Fähigkeiten sowie fundiertes technologisches Wissen aus.

Im Gespräch mit Olli tauschen sich die beiden über Adams Rolle und Mehrwert für Unternehmen aus, sprechen über typische Herausforderungen und mögliche Lösungen.

Die beiden werfen einen Blick in die Zukunft, in der KI eine große Rolle spielen und Branchen massiv beeinflussen wird.

Ein spannender Austausch mit unterschiedlichen Sichtweisen auf die Herausforderungen in der Digitalisierung.

38
Mit Liebe zum Buch zum Multichannel-Erfolg Im Gespräch mit Petra Dreesen von dreesen-lesen.de

Petra Dreesen hat sich nach vielen Jahren im klassischen Buchhandel 2019 mit einem eigenen Buchladen selbstständig gemacht. Die gar nicht so kleine Buchhandlung Dreesen im Dortmunder Vorort Brackel war dabei von Anfang an auf Multi-Channel Vertrieb ausgelegt. Ein Konzept, das sich spätestens mit der Corona-Pandemie als buchstäblich überlebenswichtig herausstellen sollte.

Gut 5 Jahre nach der Eröffnung des eigenen Geschäftes spricht Petra Dreesen mit Olli und Uwe über die Besonderheiten des Buchhandels, das aktive Nebeneinander verschiedener Vertriebskanäle, ihre persönliche Erfolgsstrategie und die Zukunft des Buches.

Selbst für engagierte Leser sind Themen wie Buchpreisbindung, Verlagsrabatte, Barsortimenter und ähnliche Spezifika des Handels mit der Ware Buch nicht ohne weiteres transparent. Im Podcast erläutert Petra Dreesen die Besonderheiten einer jahrhundertealten Branche und warum kostenlose Über-Nacht-Logistik keine Erfindung des Digitalzeitalters ist.

Offen spricht die Dortmunder Buchhändlerin auch über Erfolgsfaktoren, um in Zeiten multinationaler Online-Anbieter mit dem eigenen Geschäft und dem eigenen Shop zu reüssieren. Spoiler an dieser Stelle: mit Liebe zur Ware Buch gemachtes Storytelling hat da einen entscheidenden Anteil.

Auch die ökonomischen Hard facts kommen im Podcast nicht zu kurz. Wie kalkuliert der Buchhandel, welche Anteile haben stationärer Handel und Online-Shop in der Buchhandlung Dreesen und welche Titel würde sich Petra Dreesen nie ins Regal stellen, werden thematisiert.

Und weil wir alle nicht mehr ohne KI können: auch zur Zukunft des Buches unter den Bedingungen von Chat GPT und Co hat Petra Dreesen eine klare Meinung.

37
Wo stehen wir bei AR & KI? Olli im Gespräch mit Sven und Aline

Durch unsere Weihnachtspost im letzten Jahr, haben wir das Thema AR zum Anlass genommen einmal einen Blick auf die Technologie sowohl in der Hard- als auch der Software-Welt zu werfen. Des Weiteren beleuchten wir den aktuellen Stand der KI und Ihrer Tools in unserem Arbeitsalltag einer Digitalagentur. Wir ziehen ein subjektives Fazit zu den Technologien und Ihren Möglichkeiten. Viel Spaß beim zuhören!

36
Energiewende mit fossilem Ende? Im Gespräch mit Uwe Kühnel

Uwe Kühnel, der in seiner letzten beruflichen Rolle als Prokurist für das E.ON Spin-Off Lemonbeat tätig war, kennt die Branche und deren Entwicklung in den letzten Jahrzehnten so gut, wie nur wenige andere. Vor diesem Hintergrund blicken die Digitalen Originale auf das Aufkommen und die Bedeutung der Smarthome-Technologie, das lange Warten auf die Verbreitung intelligenter Messsysteme (auch als Smart Meter bekannt) in Deutschland, die als Bottleneck die Entwicklung und Verbreitung vieler innovativer Lösungen und Technologien blockieren oder schauen auf die durch das BMWK massiv ins Gespräch gebrachte Heizungstausch-Initiative, die in vermutlich nicht zu leistender Geschwindigkeit mit fossiler Energie betriebene Heizungsanlagen gegen klimafreundliche Alternativen tauschen will.

Im Gespräch geht es weiterhin um die Ausbreitung von Photovoltaik-Anlagen, die Chancen und Herausforderungen der Dezentralisierung und die künftige Rolle der Energieversorger. Alle Themen werden dabei so beschrieben, dass man nicht unbedingt Fachchinesisch verstehen muss, um die wichtigsten Informationen mitzunehmen. Viel Spaß beim Zuhören!

35
Reif für den Oscar Im Gespräch mit Frank Petzold

Zu der Oscar-Nominierung mit Hollow Man… Ich war 2001 mit bei den Oscars. Das war war noch im alten Kodak Theatre. Da waren wir als Team, als ich noch bei Phil Tippett gearbeitet habe. Da waren wir zu sechst oder siebt als Vfx-Team da und mein Name wurde nicht aufgerufen. Leider haben wir gegen Gladiator verloren, was wir nicht so ganz verstanden haben, weil die Technologie von uns eigentlich ein bisschen gewagter war. Aber das ist Hollywood, da ist auch viel Politik dahinter, da muss man mit leben. Dafür war es toll, einfach nur da zu sein. Nicht zu vergessen: Das ist die größte Fernsehshow der Welt.

Zum eigenen, beruflichen Werdegang… Ich wollte eigentlich immer Fotograf werden. Mein Vater war Grafiker und Texte und Layouts gefielen mir nicht, ich wollte lieber Fotos machen. Ich habe dann noch während des Abiturs in den Ferien geguckt, ob ich nicht irgendwo ein Praktikum machen kann. Und in Wuppertal gibt es eine kleine Filmbude, die haben Werbung gemacht. Die Dinger, die vor dem Kinoprogramm laufen. Da habe ich mich vorgestellt und dann in den Ferien auch immer mitgeholfen. Dort habe ich sehr schnell Kamera gelernt. Das waren noch Filmzeiten und Computergrafik gab es da noch gar nicht. Ich wurde dann später auch übernommen, wollte eigentlich studieren, aber dazu sagte mein Chef, das kannst Du später immer noch machen, fang doch erst einmal bei uns an. Es gab für jemanden, der noch so jung ist, auf einmal viel Geld und da konnte ich nicht nein sagen.

Die (Agentur) hat alles inhouse gemacht. Die haben gedreht, geschnitten und und und. In einem Raum stand eine Trickkamera, die kennt man so aus „Pumuckl“ und irgendwie habe ich mich in dieses Ding verliebt. Eigentlich habe ich da angefangen, wusste das aber nicht, und habe Visual Effects gemacht. Hab das Ding dann auch mal ausgereizt, um etwas schwierigere Sachen zu machen und bin irgendwann ans Limit gestoßen.

Irgendwann habe ich dann von Phil Tippett gehört und dachte, das wäre toll da zu arbeiten. Meine Frau sagte, dann versuche es doch einfach mal. Das war noch zu Faxzeiten. Ich habe dann ungefähr einen Monat lang jeden Tag ein Fax geschrieben: „Ich will einfach nur da sein. Ihr müsst mich nicht bezahlen. Ich mache Kaffee und will einfach nur dabei sein.“ Ich habe lange nichts gehört und eines Tages kam ein Fax zurück mit wenigen Worten: „Dann komm einfach vorbei!“ Ich bin dann für eineinhalb Tage nach Kalifornien für ein Interview geflogen und habe meine Rolle (35mm Film mit Arbeiten, kein Internet, kein Stick) mitgenommen. Phil Tippett sagte dann: Du hast Glück! Wir fangen gerade ein großes Filmprojekt an und ich könnte Dich gut gebrauchen. Ich brauche jemanden, der technikinteressiert ist, gleichzeitig aber auch weiß, wie eine Kamera funktioniert. Er war gerade in einem japanischen Laden und hat geröstete Heuschrecken gekauft, bot mir eine Schale an und sagte: „Do you like bugs?“ Und ich sagte: „Ja, klar!“ Und auf einmal wusste ich, dass ich bei Starship Troopers dabei war. Der damals teuerste Hollywood Film war mein Einstieg in Amerika. Ich wollte nur sechs Monate bleiben, es wurden dreizehn Jahre daraus.

Zur Aufgabe des Vfx in „Im Westen nicht Neues“, die Szenerie möglichst authentisch und realitätsnah wiederzugeben…

Das ist ein doppelseites Schwert. Wenn man sich für diesen Beruf entscheidet, muss man sich bewusst sein, dass es das Ziel ist, möglichst realistisch zu erscheinen. Das alle glauben, es sei echt. Bei Science fiction ist es natürlich offensichtlich. Das Problem bei Vfx ist, dass alle glauben, dass man dort jedes Mal das Rad neu erfindet und irgendwelche Rocket Science Projekte zusammen bastelt, siehe Avatar. Als ich das Drehbuch zu „Im Westen nichts Neues“ gesehen hatte, habe ich sofort gesehen, hier geht es gar nicht Special Effects, hier geht es um mehr. Und da müssen wir mal einen Schritt zurück nehmen: Es ist für einen Visual Effects Artist sehr schwer, denn natürlich wollen wir alles lauter, heller, bunter, unmögliche Kameraeinstellungen, die vorher noch nie jemand gesehen hat, aber das war (hier) halt nicht das Material und gerade in Deutschland hat man sehr viel Respekt vor dem Buch. Und wir mussten da wirklich aufpassen, allen war bewusst, dass wir da wirklich in den Hintergrund treten müssen. Wir durften nicht ablenken von dem genialen Schauspieler, den wir hatten und natürlich auch nicht von der Geschichte.

Weiterführende Links:

Doubleplusgood

Frank Petzold IMD

WDR Lokalzeit Bergisches Land

Tippett Studios

33
Meinungsmacher Im Gespräch mit Marc Raschke

Seit rund 10 Jahren verantwortet Marc Raschke den Bereich Corporate Communication im Klinikum Dortmund. Dabei hat er mit seinem Team die PR-Arbeit, das Personalmarketing und die interne Kommunikation auf ein neues Level gehoben. Als pragmatischer „Erklärer“ der Gesundheitswirtschaft inmitten der Pandemie haben seine Beiträge, wie auch die Sichtbarkeit des Klinikums, einen gigantischen Aufschwung erfahren, was u.a. zahlreiche renommierte Preise und Auszeichnungen belegen. Beispielhaft sei hier auf den IK Manager des Jahres (2022) sowie den Forschungssprecher des Jahres (2021) verwiesen.

Seine Bereitschaft, auch weit über den eigenen fachlichen Horizont hinaus, Haltung zu zeigen und aktuelle gesellschaftliche Themen reflektiert und meinungsscharf zu bewerten, haben Marc auf allen von ihm betriebenen Socialmedia-Kanälen tausende Abonnenten beschert. Allein bei Instagram bringt er es inzwischen auf über 95.000 Follower.

Wir kreisen mit Marc – der sich beruflich künftig neu orientiert – über verschiedene Themen hinweg, die auch fernab der Gesundheitswirtschaft zum Nachdenken anregen und philosophieren zudem über Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung.

Zu den aktuellen Entwicklungen bei Twitter…

Tagesaktuell bin ich ja gerade ausgestiegen bei Twitter und habe meinen Account deaktiviert. Nach 30 Tagen wird der dann ja gelöscht. Ich finde – Stichwort Haltung – man muss gewisse Dinge auch einfach mal machen und nicht immer nur quatschen. Und in dem Punkt war mir jetzt wichtig, wenn Herr Trump zurückkommt und damit dann ja auch Fake-News wieder Tür und Tor offen gestellt werden, muss man da auch mal abstimmen und zwar mit den Füßen. Deshalb bin ich gegangen.

Zur PR Arbeit für die Dortmunder Kliniken…

Das ist ein weites Feld. Man darf überhaupt schon einmal froh sein, dass Kliniken verstanden haben, dass das ein Thema ist und das mittlerweile solche Abteilungen überhaupt da sind. Früher hat das die Sekretärin des Chefarztes noch mal eben so mitgemacht. Das hat jetzt einen anderen strategischen Wert. Spätestens mit dem Thema Personalmarketing wird man jetzt den Wert sehen. Und wenn wir uns jetzt dann auf dem Markt der Arbeitskräfte bewegen, müssen wir uns ein wenig aufhübschen und nach draußen kommunizieren, was wir so sind und wie wir so sind. Und das gilt im Krankenhaus eben nicht nur für das Personal, sondern auch für die Patienten. Da gibt es genug zu tun. Wenn man das dann noch ein wenig professionalisiert, kann man auch noch in die Politik hineinwirken. Ich sage immer meinen Kollegen, die in diesem Umfeld unterwegs sind, dass es keine Kommunikationspolitik gibt, die vielfältiger ist als die in einem Krankenhaus. In dieser Hinsicht ist es ein sehr dankbares Umfeld.

Zum Einfluss von Corona für die wachsende Aufmerksamkeit…

Es hat zumindest einigen Dinge nach außen gekehrt, die man mit Kommunikation hätte lösen müssen und zum Teil dann auch gelöst hat. Ich erinnere nur an die Wertschätzung der Pflege, die ja mit Applaus begann und dann gab es irgendwann auch einmal ein paar Goodies, etwas „Schmierwurst“. Das sind dann ja auch wieder kommunikative „Fails“, das hätte man anders darstellen müssen. Aber in der Tat: In einer Zeit, in der alles unsicher ist, in der du gucken musst, wie kommst du an Informationen, da war natürlich Kommunikation der Schlüssel. Das hat aber natürlich auch dazu geführt, dass die Menschen irgendwann auf ihrer eigenen Felge liefen. Da war auch wenig mit Florett-Fechten, da haben viele einfach mit der Axt draufgehauen. Da war psychisch auch gar nicht mehr viel anderes machbar. In einem Krankenhaus, das Angst hat, dass da jeden Moment die große Welle kommt, sind die Leute alle bis zum Anschlag angespannt. Das ist schon eine Herausforderung gewesen.

_Zur Digitalisierung in Krankenhäusern und der Gesundheitswirtschaft… _ Ich glaube schon, dass Digitalisierung eine Lösung sein kann, aber so wie sie dargestellt und verkauft wird, eher nicht, weil Krankenhäuser dem allgemeinen Stand der Digitalisierung mindestens zehn Jahre hinterher hinken. Wenn du dann auf die Schnittstelle zu den niedergelassenen Ärzten – dem Fax – blickst, das noch immer das Mittel erster Wahl ist, dann ist das halt so. Da mache ich mir auch nichts vor und glaube auch nicht an diese Sonntagsreden, bei denen dann wattewolkig erzählt wird, wie die Digitalisierung uns das alles einfacher machen kann. Ich muss ja auch montags mit den Menschen, die da arbeiten, quer durch die Alters- und Bildungsschichten hindurch, Digitalisierung auch auf die Straße bringen. Das ist halt die große Herausforderung. Deshalb halte ich Digitalisierung auch nicht für ein Thema, das in der IT angesiedelt werden sollte, sondern viel eher in der Kommunikation. Und bevor du Digitalisierung anwendest, musst du dir erst einmal die Prozesse angucken. Und solange du die Prozesse nicht glatt hast… und da kann ein glattziehen der Prozesse auch schon einmal die Lösung sein, musst du am Ende vielleicht gar nicht digitalisieren und da reicht dann auch schon einmal der Zettel.

Weiterführende Links:

Klinikum Dortmund

RaschPublic

Profil auf LinkedIn

34
Digitale Energiezukunft Im Gespräch mit Dr. Martin Kiel, FH Dortmund

Die digitale Energiezukunft Im Gespräch mit Dr. Martin Kiel

_Zu seiner aktuellen Rolle als „Energieerklärer“… _ Ja, also die Fragen kommen natürlich. Von Studierendenseite merkt man schon, dass das Thema regenerative Energiequellen gerade so ein wenig hochschwappt. Auch innerhalb der Hochschule kommen vermehrt Anfragen, wo ich aber zum Teil sagen muss: Leute, da kann ich mich jetzt äußern, aber es gibt da Experten, die noch tiefer in dem Thema drin sind. Ich stoße da z.T. auch schon an Grenzen. Die Anfragen kommen jetzt häufiger und das Thema Energie treibt uns jetzt seit Februar insgesamt doch schon stärker um.

_Zur Rolle von Kraftwerken bei der Netzstabilität… _ Man braucht eine gewisse Grundversorgung, die auf jeden Fall gewährleistet sein muss, weil es dann einfacher wird. Wenn man immer etwas von Null an heben müsste, ist es deutlich schwieriger, als wenn eine gewisse Grundversorgung gegeben ist und man ganz essenzielle Bereiche im Netz stabil betreiben kann und die Lastspitzen nicht mehr ganz so groß ins Gewicht fallen. Insofern ist die Überlegung schon richtig: Wir brauchen Kraftwerke, die schnell hochgefahren werden können und das sind leider die Gaskraftwerke. Batteriespeicher würden das auch leisten, allerdings nicht in dieser Dimension. Das wäre technisch machbar, würden wir aber von den Kosten nicht hinbekommen.

_Zu der Frage, ob die Energiekrise auch als Chance für die künftige Reform der Energieversorgung betrachtet werden kann… _

Ich würde das schon so beurteilen, dass wir eine Chance haben, gerade was die Aufklärung betrifft. Das Thema Energie dringt in der Breite der Bevölkerung viel stärker in das Bewusstsein und kann uns dahin bringen, Energie viel bewusster zu nutzen. Das mir klar wird, dass wenn ich nachhause komme und meine „schnuckeligen“ 24-26 Grad erwarte, das irgendwo herkommt, insbesondere wenn es draußen -10 Grad kalt ist. Das ich mir Gedanken mache, was das eigentlich bedeutet und woher die Energie kommt.

Das fängt ja bei der Mobilität an und da ist es schon ganz interessant, über welche Schlagzeilen man spricht. Meine letzten Schlagzeilen kamen vom Wochenende und bezogen sich auf das 49,– Euro Ticket. Das ist ein Punkt, der ja auch in die Energie mit reinreicht. Elektromobilität ist schön und gut und hilft dem CO2-Ausstoß, aber ein Elektroauto braucht eine ganze Weile, um seinen CO2-Balast wieder reinzufahren. Eine S-Bahn ist auch elektromobil, aber da fällt die Bilanz pro Kopf erheblich besser aus.

Zu eMobility und der Lade-Infrastruktur

In der Energieversorgung geht man immer von einem Viertelstundenraster aus. Und da kann es natürlich schon vorkommen, dass wir innerhalb einer Viertelstunde alle nachhause kommen und unser Elektroauto anschließen. Die Frage ist dann, ob die alle erwarten innerhalb der nächsten Stunde wieder voll geladen zu sein oder ob nicht vielleicht einerseits das Auto oder andererseits das Ladegerät des Versorgers intelligent genug sind, die Ladeleistung gezielt zuzulassen und zu steuern. Das hat viel mit Digitalisierung zu tun und ist ein Feld für künstliche Intelligenz.

Zur Dezentralisierung der Energieversorgung…

Es ist definitiv ein Trend. Ich halte es nicht für wirtschaftlich, dass jeder Haushalt autark wird. Da geht der Trend hin, da zielt ja auch die Photovoltaik-Branche drauf ab. Das hat für mich so ein bisschen einen Rebound-Effekt, dass Anlagen geplant werden und wir ein Stück weit Autarkie haben und möglichst unabhängig werden wollen. Beim privaten Haushalt muss man schon ziemlich genau hingucken, ob sich so ein Photovoltaik-Speicher lohnt. Es ist schön, den zu haben, ob sich das aber wirtschaftlich rechnet ist in vielen Fällen fraglich. Da stellt sich dann die Frage: Hätte ich den gleichen Effekt nicht auch mit einer kleineren PV-Anlage erreicht, wo ich weniger einspeise, die vielleicht eine etwas andere Ausrichtung hat – z.B. nicht nach Süden, sondern nach Westen – so dass ich die meisten Spitzen habe, wenn ich auch den größten Verbrauch habe. Vielleicht komme ich so auch auf eine bessere Autarkie und einen höheren Eigenverbrauch. Autarkie und Wirtschaftlichkeit beißen sich meist.

Weiterführende Links:

Labor für regenerative Energien – FH Dortmund

32
Digital nonverbal Im Gespräch mit Isabella Herzig

**Digital nonverbal

Im Gespräch mit Isabella Herzig**

Isabella versucht seit ganz vielen Jahren für sich einen „Pitch“ zu machen, bekommt den aber nicht über das, was sie tatsächlich tut. Möchte mit ihrer Dienstleistung Menschen für sich selbst und für andere die Augen öffnen. Das große Ganze besteht darin, die Menschlichkeit, das Zwischenmenschliche und das Interpersonale besser zu verstehen und damit die Frage, warum man reagiert, wie man reagiert und was für Konsequenzen das hat.

Zur Frage, ob sich nonverbale Kommunikation trainieren lässt…

Das ist eine sehr schöne Frage. Tatsächlich ist es so, dass der Körper immer spricht und wenn Du nicht darauf achtest, wird der Körper immer verraten, wie Du Dich gerade fühlst. Wir betrachten den Körper neuerdings auf eine ganz spannende Art und Weise. Bis vor 10 bis 15 Jahren haben wir die Menschen noch omnimodal statisch betrachtet. d.h. wir haben uns Menschen eher auf Fotos angeguckt und gesagt, wenn Du die verschränkten Arme hast, dann bist Du ablehnend. Heute sind wir in der Körpersprache viel spannender unterwegs und betrachten neun Kanäle in der Körpersprache und jeder Kanal hat etwas anderes zu berichten. Erst das Zusammenspiel der Kanäle bietet mir dann die Information. Wenn Du Dich beispielsweise darauf konzentrierst, dass Du spannende Gesten machen willst, die Dich unterstützen sollen, kann es passieren, dass Du Deinen Kopf vergisst und das Deine Füße vielleicht auch etwas ganz anderes machen. Also ja, man kann die nonverbale Kommunikation beeinflussen und man kann sie auch lernen. Und wenn man zurückblickt und sich fragt, wie war ich mit siebzehn, wie bin ich heute, wird man feststellen, dass da viel dazugekommen ist. Das Repertoire wächst, aber ich würde einfach einmal behaupten, dass Du sie nicht immer kontrollieren kannst.

Zum Zusammenspiel von Inhalt und nonverbaler Kommunikation

Alles, was wir von uns preisgeben, wird immer davon begleitet, wie wir nonverbal kommunizieren und wir Menschen sind sehr gute Kenner der subtilen Signale. Wenn wir beispielsweise Politiker beobachten, dann hat jeder seine eigene Übersetzung. Das ist spannend. Körpersprache ist nicht universell, sondern total individuell. Je nachdem, wer ich bin, so sehr betrachte ich den anderen und finde ihn sympathisch oder unsympathisch. Wenn ich zum Beispiel jemand bin, der gerne in der Dominanz zuhause ist, der von sich sagt, ich bin sehr durchsetzungsstark, bin jemand, der andere an die Hand nimmt und voranschreitet. Ich trage gerne einen Anzug, eine Krawatte und schicke Schuhe, dann werden die, die das repräsentieren, auch sehr sympathisch finden. Weil, wir lieben Menschen, die so sind, wie wir. Sehe ich aber jemanden, der konträr unterwegs ist, wird mein Bild von mir und anderen Menschen,, diese Person in eine andere Schublade stecken. Auf diese Weise werde ich alles, was diese Person von sich gibt, durch diese Brille bewerten.

Zum Verlust nonverbaler Kommunikation in der digitalen Kommunikation…

Ich bin in die Kommunikation über Zoom & Co. mit Corona reingeschlittert und fand das am Anfang auch gut, weil wir uns überhaupt sehen konnten. Ich dachte, das Internet ist so fantastisch, weil es uns verbindet, auch wenn wir getrennt sind. Aber die so genannte Zoom-Fatigue hat dann ebenfalls sehr schnell eingesetzt. Das Fenster geht auf und wir sehen ganz viele Menschen in Briefmarkengröße, was bedeutet, ich kann schon ganz wenig von der Körpersprache wahrnehmen. Dann habe ich mich selbst immer noch, was mich total ablenkt, weil viele von uns damit beschäftigt sind, wie sie hier aussehen. Vielleicht habt ihr auch schon Menschen beobachtet, die sich dort, wie in einem Spiegel, noch einmal die Haare zurechtlegen, weil man sich selbst auch wohlfühlen will.

Wenn ich andere Menschen beobachte, will ich immer Informationen sammeln. Ich möchte wissen, wie es dem anderen geht, wie er sich fühlt und welche Zeichen er sendet. In der Telko sehe ich aber eben immer nur Deinen Kopf. Wenn ich nicht besonders geübt bin im Microexpressionen lesen und aus der Kopfwinkel-Neigung schließen kann, was das wohl bedeuten könnte, dann versucht mein Gehirn immer Informationen zu fühlen und das ist schon nach zwanzig Minuten wahnsinnig anstrengend.

Zum Thema Pseudo-Autismus im Kontext digitaler Kommunikation…

Den Begriff Pseudo-Autismus gibt es bereits seit ein paar Jahren. Und das ist etwas, das in den Medien stattfindet. Wir leben ja nicht mehr mit den Medien, sondern in den Medien. In der Folge lässt dies ganz viele aus der Realität aussteigen, was dazu führt, dass wir sozial immer weniger aktiv werden, dass wir immer weniger emphatisch sind und nicht sehen, was bei anderen passiert und uns daraufhin immer weiter zurückziehen. Menschen zeigen zunehmend autistische Verhaltensweisen, die aber mit Autismus nichts zu tun haben, sondern eben angelernt sind. Deshalb glaube ich, dass das schon ein gefährliches Phänomen ist, das wir da beobachten. Mir hat mal jemand gesagt, wenn Du auf Facebook einen traurigen Smiley postest, dann fragen Dich in kürzester Zeit 120 Menschen, was los ist und wie es Dir geht. Wenn Du aber auf der Straße unterwegs bist und weinst, kommt keiner auf Dich zu und es interessiert keinen Menschen.

Weiterführende Links:

Website Herzig EQ

Zum Thema Pseudo-Autismus

31
Von Nutzererlebnissen erzählen Im Gespräch mit Alisa Ziegenfuß, KPS

Zur Frage, an welcher Stelle die CX in die Projekte einsteigt…

Teilweise ist es tatsächlich so, dass die Strategieberatung gemeinsam mit dem Kunden überlegt, wo die digitale Reise hingehen kann und dass das anschließend bei uns weiterentwickelt wird. Wir brechen es dann runter auf die Idee der Digitalisierung oder das Geschäftsmodell, um es wirklich anfassbar zu machen und zu überlegen, welche Seitentypen und Touchpoints gibt es überhaupt und dann auch wirklich das digitale Produkt zu konzipieren und zu entwickeln.

Zum konkreten Vorgehen beim Projektstart…

Wir haben ein Modell, das wir immer wieder anwenden, mit dem wir schon viele Digitalisierungsprojekte vorangetrieben und konzipiert haben und das UX Operating Modell heißt. Das Modell gliedert sich in fünf Phasen: das ist einmal der Bereich Discover, wo wir mit Kunden sprechen und uns die Anforderungen von der Business-Seite anschauen. Uns ist es wichtig, dass wir Business, Design und Technologie miteinander verheiraten. Im Wesentlichen wird hier bereits die UX-Strategie festgelegt und das Format basiert auf einem ISO-Prozess.

Es folgt dann die Deliver-Phase, in der wir wirklich konkret anfangen zu konzipieren, die Customer Journey zu gestalten und Sitemaps zu erstellen. Dies zunächst in Form von Wireframes und dann natürlich auch im Feindesign. Beim Validate Track, wo wir mit echten Nutzern Prototypen oder auch schon Wireframes validieren können, erfahren wir dann, ob unsere getroffenen Annahmen zutreffend sind. Die vierte Phase dient der Conversion Rate Optimierung, vor allem relevant im E-Commerce, aber auch in anderen Branchen, wie etwa bei Versicherungen, weil sie auf der einen Seite die Anzahl an Bestellungen, aber auch an Abschlüssen beeinflusst.

Die letzte Phase ist das UX Management, das ist relativ nah am Bereich Requirement Engineering hängt und sich stark auf den Kundennutzen bezieht. Wenn Du keinen UX-ler im Projekt hast, kannst Du nicht gewährleisten, dass der Fokus auf den Kunden/Nutzer der Anwendung auch immer gewährleistet bleibt.

Zum Thema nutzergetriebenes Wachstum und Messbarkeit…

Wenn wir Workshops machen, versuchen wir auch im Vorfeld gemeinsam zu definieren, welche KPIs – zum Beispiel mit einer E-Commerce Lösung – gepushed werden sollen. Es können ja unterschiedliche sein, wobei es am Ende immer die Conversion-Rate und der Umsatz sind. Aber das können auch Newsletter-Anmeldungen oder sämtliche andere KPIs sein., die für den Kunden relevant sind. Wir versuchen auch, bevor wir mit einem Projekt starten, einmal den Status quo aus der Web-Analyse abzufragen. Und auch wenn wir konzipieren, fragen wir immer bestimmte Klickverhalten etc. ab, um möglichst viel in die Konzeption einfließen zu lassen und daraus zu lernen. Wir stellen aber auch oft fest, dass die Tracking-Konzepte in den alten Lösungen gar nicht so gut sind, so dass wir nicht nur die falschen, sondern häufig auch gar keine Zahlen zur Verfügung haben.

Zur Relevanz und Größe einer Testgruppe…

Normalerweise sagt man, dass man nach dem Fünften, den man befragt hat, zu 80-90% die gleichen Rückmeldungen bekommt und vielleicht, wenn man Glück hat, noch einmal etwas Neues, aber das Meiste, nach dem Pareto-Prinzip, kann man schon fast mit fünf Probanden abdecken und kann da sogar sehr vereinfacht testen. Und das ist ja auch genau die Kultur, um die Unternehmen auch reinzubringen. So reicht es häufig, dass man einfach einmal ein paar Kollegen fragt, bevor man anfängt einen Prototypen und ein stumpfes Frontend zu bauen.

Weiterführende Links:

KPS – Customer Experience & Marketing

30
Lost im Metaverse Sven, Olli und Ralf im Gespräch

„Wir gehen mit dieser Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum“, urteilte Actrice und Aerobic-Göttin Jane Fonda schon in den Achtzigern. Und tatsächlich: Mit dem Metaverse scheint es beinahe so, als könnten wir inzwischen technisch einen weiteren Planeten aus dem Hut zaubern, wenn auch nur in virtueller Form. Aber was heißt schon nur. Lassen wir die Realitäten einmal außer Acht, ergeben sich natürlich auch ganz neue Möglichkeiten.

Blickt man auf den Investoren- und Finanzmarkt sowie die Aktivitäten der GAFAs, hat das Thema längst eine Eigendynamik entwickelt, hochglänzend aufbereitet von den üblichen Verdächtigen. So liefert beispielsweise das Beratungshaus McKinsey unter dem Titel „Value creation in the metaverse“ die typischen milliarden- und billionenschweren Wachstumscharts, die den Kapitalhaltern unseres Planeten in Sachen Metaverse den Mund wässrig machen sollen. Diese büffeln im Gegenzug schon fleißig Vokabeln, damit sie im persönlichen Austausch Begriffe wie NFT, Blockchain, Wallet, Ethernet, Token oder DAO sauber auseinander halten können. Und sie investieren zum Üben auch schon einmal ein paar zehntausend Decentraland (MANA) oder Sandbox (SAND) für virtuellen Grund und Boden oder den Zugang zu exklusivem Content. Und wie um die Bedeutung des Themas für die Breite der Gesellschaft noch einmal eindringlich zu unterstreichen, hat sich der Konzern Facebook jüngst direkt einmal in Meta umfirmiert.

Nun könnte man kritisch einwenden, dass es das mit dem bereits 2003 gestarteten Second Life (Linden World) doch schon alles einmal gegeben habe und diese Nummer in der Rückschau als ein elender Rohrkrepierer in den ewigen, virtuellen Jagdgründen verloren gegangen sei. Ja, aber… Heute gibt es schnelleres Internet, es gibt bessere Nutzer mit mehr Erfahrung, es gibt eine Reihe cooler Gadgets (wie VR-Brillen) und leistungsstarke Hardware, die dazu in der Lage ist, lebensechte 3D-Welten entstehen und in Echtzeit erleben zu lassen. Ein virtuelles Paradies, in dem sich insbesondere Gamer schnell zuhause fühlen dürften.

Und das ist dann auch so ein Punkt. Aktuell setzen die Modellversuche zum Metaverse schon einen deutlichen Schwerpunkt auf Umgebungen (oder neudeutsch: environments), die denen, die wir aus den Zimmern unserer Kinder kennen, spürbar ähneln. Ob nun Minecraft oder Fortnite: Vieles von dem, was uns die Experten ins Stammbuch der Metaversen schreiben, ist dort längst gängige Realität. Kein Wunder also, dass auch Unternehmen wie Microsoft oder Epic Games als Schwergewichte im Kampf um Vormachtstellungen bei diesem Thema betrachtet werden müssen. Was fängt nun aber das Otto-Normal-Marketing bundesdeutscher Mittelständler mit dem Trendthema Metaverse an? Eindeutige Ratschläge oder gar Handlungsempfehlungen verbieten sich an dieser Stelle aufgrund noch vieler offener Fragen und bestehender Widersprüchlichkeiten. Klar ist, für die Sichtbarkeit und Positionierung einer Marke bietet das Metaverse eine neue Spielfläche, die vor allem für Unternehmen, die jüngere Zielgruppen adressieren, attraktiv und reizvoll erscheint. Begreife ich mich als Unternehmen zusätzlich als Innovationstreiber meiner Branche, werde ich noch mehr Druck verspüren, meine Rolle in diesem Kontext zu finden. Wie aber sieht es aus, wenn ich mich in Sachen Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung bereits klar positioniert habe? Wie löse ich den Widerspruch, dass sowohl NFT/Blockchain, wie auch die notwendigen Rechnerleistungen für dreidimensionale Fantasiewelten den ökologischen Fußabdruck und die Klimabilanz meines Unternehmens damit verbunden in schwindelerregende Abgründe treiben?

Mit dem Begriff Metaverse ist beinahe synonym auch immer schnell vom Web 3.0 die Rede. Welches Verständnis verbirgt sich dahinter? Einen ganz schönen Erklärungsansatz findet man diesbezüglich in dem Buch „The Metaverse“ von Terry Winters. So unterteilt er die Entwicklung des Web in die Startphase (Web 1.0) in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als das Internet beim globalen Austausch und Teilen von Inhalten anderen Diensten wie Teletext oder auch dem Telegramm den Rang ablief. Die zweite Phase (Web 2.0) dauert im Grunde bis heute an und ist durch die Schaffung und Etablierung vielfältiger Dienste und Angebote gekennzeichnet, die über Plattformen verbreitet werden und Nutzer anlocken und binden. Nutzer entwickeln hier auch durchaus eigene Inhalte (User Generated Content ), sind am Ende aber stets an die Plattform gebunden. Genau diese Bindung endet mit dem Web 3.0 und der möglicherweise damit verbundenen Etablierung des Metaverse. Nutzer erstellen nicht nur ihre eigenen Inhalte, sie hosten diese ebenso und vermarkten sie in ihrer eigenen Blase (Bubble). Die one-size-fits-all Plattform ist Geschichte und Dezentralisierung das Schlagwort bei der künftigen Verbreitung von Inhalten.

Um sich dazu auch heute bereits ein besseres Bild machen zu können, empfehlen sich Ausflüge in die Gaming-Community. So hat „Twitch“ dem Google-Videochannel „YouTube“ in mancherlei Hinsicht bereits den Rang abgelaufen und Discord sich parallel zu einem Eldorado für den autonomen Austausch neuer Nutzergemeinschaften und Clans entwickelt. Dezentralisierung entwickelt sich innerhalb der Gaming-Community vollkommen autark von den GAFAs, was es erschweren dürfte, diese Gruppe für die über Jahre und mit hohem zeitlichen und finanziellem Aufwand entwickelten Lösungsideen wirklich und nachhaltig zu begeistern.

Auf der sozialen und gesellschaftlichen Ebene könnte der Einzug der Metaversen dagegen tatsächlich zu einem bedeutsamen Gamechanger mutieren. In einer Welt, die ihre Werte exponentiell auf eine Handvoll Auserwählter verteilt, schwinden die Chancen des Einzelnen auf gesellschaftlichen Aufstieg außerhalb seiner sozialen Kaste radikal. Wird es mir aber möglich, die eigene Existenz und mit ihr auch meine Schattenidentität aus aufgezeichneten Profil- und Bewegungsdaten in einer virtuellen Welt zu überwinden und gegen einen oder auch mehrere Avatare zu tauschen, stehen mir dort mit einem Male ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten offen. Oder wie es Cyberpunk-Autor Neal Stephenson – von dem der inhaltlich dazu passende Science-Fiction Roman „Snow Crash“ stammt – ausdrückt: „Wenn Du in einer beschissenen Umgebung lebst, gibt es immer noch das Metaverse…“ Der Spielberg-Streifen „Ready Player One“ bekommt diese Dystopie auf unterhaltsame Weise ebenfalls visuell sehr gut gegriffen. Hier erahnen wir aber auch gleichzeitig, welche Möglichkeiten zur Manipulation und zu kriminellen Machenschaften mit einem solchen Universum verbunden sein können.

Auch wenn die technischen Möglichkeiten wachsen und die im Raume stehenden Barrieren schwinden, haben wir die Reise ins Metaverse gerade erst begonnen. Auch dort wird das „Content is king“ Prinzip uneingeschränkt gelten und es werden sich Angebote entwickeln müssen, die es so – außerhalb des Metaverse – nicht geben kann und die dem Metaverse damit einen echten Mehrwert bieten. Einfach Exklusivität über eine künstliche Verknappung herzustellen, taugt allenfalls für die Startphase, um dort die First-Mover abzuholen und zu begeistern. Anschließend darf es dann gerne ein wenig mehr sein.

Weiterführende Links:

Decentraland Sandbox McKinsey & Company: Value creation in the metaverse Terry Winters: The Metaverse: Prepare now for the next big thing Neal Stephenson:Snow crash

29
Smarter Warten Im Gespräch mit Katharina Feiertag, Quickticket

Über die Idee und den Start von Quickticket…

Wir haben uns dem Thema gewidmet, dass Patienten und Kunden im Gesundheitsbereich so viel Zeit mit Warten verbringen als die Zeit sinnvoller zu nutzen. Das ist einfach verlorene Lebenszeit, die einfach vergeudet wird, weil man irgendwo stundenlang wartet. Ich habe da einmal in einer Studie gelesen, dass wir allein im Gesundheitsbereich elf Tage mit Warten verbringen. Und das ist schon verrückt, wenn man bedenkt, was mit Hilfe aktueller Technologien schon alles möglich ist. Als haben wir das in Angriff genommen.

Ich habe Gesundheitsinformatik studiert, auf Englisch eHealth, und habe schon immer gewusst, ich will was bewirken können. Bei einem guten Freund, der schon lange ein IT-Unternehmen führt, ist dann irgendwann die Idee auf dem Tisch gelegen und dann haben wir beide gesagt: Let’s Go!

Über das eHealth-Studium…

Das Studium umfasst sehr viele Bereiche. Du kannst jetzt nicht sagen, ich habe jetzt nur die Informatik, aber mir fehlt das Wissen vom Gesundheitsbereich oder wie es in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus abläuft. Wir sind eigentlich so zwischendrin. Wir sind keine hundertprozentigen Informatiker, sondern schlussendlich sind wir so die Bindeglieder und gemeinsam stellen wir uns die Frage: Wie können wir die Gesundheitswirtschaft effizienter gestalten oder die Versorgung der Patienten verbessern? Da braucht man einfach beide Blickwinkel.

Zur Gründung während des Studiums…

Ich bin mit den Professoren in Kontakt getreten und die haben uns mit ihrer Expertise auch sehr unterstützt. Es war auf jeden Fall der Rückhalt da und es war auch jeder begeistert. Für die Professoren und Mitarbeiter am Institut ist es natürlich auch super spannend, wenn sie sehen, dass da jemand ist, der eine Idee hat und man dort unterstützen kann.

Zur Funktionsweise von Quickticket…

Im Grunde wollen wir, dass Personen überprüfen können, wann sie zum Arzt können. Dafür soll gefördert werden, dass diese Menschen verstärkt die Website ihres Arztes aufsuchen und sehen können, dass aktuell die Nummer 20 an der Reihe ist und die nächste Nummer die man ziehen kann, wäre aktuell die Nummer 40 und diese wäre dann heute um 19.00 Uhr an der Reihe. Damit verbunden wäre dann die Frage: Möchten Sie sich das Ticket nehmen? Indem ich dann auf das Ticket klicke, tauche ich sofort in der Warteliste des Arztes auf und kann die Wartezeit zuhause abwarten. Was für uns das Wichtigste ist, dass wir im Hintergrund einen machine-learning Algorithmus nutzen, der diese Zeitprognosen durchführt. D.h. er lernt mit der Praxis, er lernt mit den Abläufen, er schaut, wer heute überhaupt in der Praxis arbeitet, welche Uhrzeit und Jahreszeit es gerade ist. Im Winter müssen die Patienten Strumpfhosen etc. ausziehen. Der Algorithmus lernt mit der Praxis und kann dann wirklich verlässliche Zeitprognosen durchführen.

Über den Weg zur Markteinführung…

Von heute auf morgen ist natürlich unsere Rakete nicht angestoßen. Intern haben wir immer gesagt, wir sind wie eine Lokomotive, die nur langsam ins Rollen kommt, aber wenn sie dann einmal fährt, dann lässt sie sich nicht mehr so rasch bremsen… Wenn Du in der Gesundheitswirtschaft eine Idee hast, brauchst Du Zeit, Durchhaltevermögen und Motivation. Bei uns hat es bis zum heutigen Tag auch über zwei Jahre gedauert. Man braucht einen starken Atem und ein gutes Team im Hintergrund. Was das Gesundheitssystem betrifft, war das mit der Corona-Pandemie – wie Du vorhin angedeutet hast – jetzt nicht so schlecht für uns.

Katharina Feiertag über das, was sie treibt:

Meine Mission ist es, mit heimischen, digitalen Produkten das Personal im Gesundheitswesen zu entlasten. Digitale Produkte unterstützen unser alltägliches Leben schon so sehr, warum hinkt das Gesundheitswesen hinterher? Neue Informations- und Kommunikationstechnologien können dazu beitragen, Lösungen anzubieten, die die Prozesse und die Reise der Patientinnen und Patienten im Gesundheitswesen effizienter gestalten. Dadurch können die Qualität, die Prozesse und die Effizienz in unserem Gesundheitswesen verbessert werden. Ebenso wird die Zufriedenheit aller Beteiligten gesteigert. (Quelle: Profil auf LinkedIn, Info)

Weiterführende Links:

Website Quickticket

LinkedIn Profil

28
Music Commerce Im Gespräch mit Sven Schoderböck

Music-Commerce

Im Gespräch mit Sven Schoderböck

Bis 1991 absolviert er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Musikfachgeschäft. Im Anschluss daran folgen Jahre der Selbstständigkeit, in denen er sich daran macht, eine eigene Musiksoftware zu entwickeln. 1996 steigt er dann bei Thomann ein und ist schnell für die Bereiche Vertrieb und Marketing verantwortlich. Sie steigen sehr schnell in den E-Commerce ein und setzen insbesondere in den Bereichen Content-Marketing, Produktbewertungen und Affiliate-Marketing neue Maßstäbe. Thomann entwickelt sich im Laufe der Jahre und bis heute zum größten Online-Händler für Musikinstrumente weltweit und knackt 2020 die Umsatzschwelle von 1 Milliarde Euro. Ende 2021 verlässt Sven das Unternehmen nach 25 Jahren, weil die Geschichte für ihn persönlich auserzählt ist und er Lust verspürt anderen Ideen hinterher zu jagen. Dabei verfolgt er auch persönliche Challenges und absolviert etwa „10 Praktika in 10 Monaten“ (u.a. BabyOne und Declathon). Heute bringt er sein Wissen als Berater ein, unterstützt vielversprechende Startups und ist u.a. CEO bei Sunlab Holding und der Awesome Stuff GmbH.

Was passiert mit Dir, wenn Du unterwegs bist und im Radio die ersten Takte von „Smoke on the water“ oder „Stairway to heaven“ erklingen?

Da habe ich inzwischen ein total dickes Fell dagegen. Da blende ich aus, ganz ehrlich.

HH oder Berlin bezeichnen sich gerne als die Hauptstädte des deutschen E-Commerce. Für wahre Weltmarktführerschaft muss man aber ins beschauliche Treppendorf nach Franken reisen. Wie kommt das denn?

Genau. Treppendorf ist Thomann. Thomann ist weltgrößter Versender für Musikinstrumente, Licht- und Tonequipment. Treppendorf ist der Heimatsitz der Familie Thomann und schon immer gewesen. Aus dem Wohnzimmer der Familie Thomann hat sich irgendwann das Musikbusiness entwickelt. Der Standort ist auch nicht schlecht, wenn Du Logistik machst, weil die Grundstückspreise doch recht niedrig sind. Die Mitarbeiter sind ehrlich, fleißig und echt liebe Kerle. Einzig die digitalen Talente sind etwas schwierig an den Standort zu bekommen. Das ist eine echte Herausforderung.

Zu der Entwicklung des Musikhauses Thomann…

Als ich 1996 angefangen habe, war es ein Musikladen mit Einzugsgebiet – ein ganz wichtiger Begriff damals, heute völlig irrelevant – wo sich die Leute in einem Radius von 150 km ins Auto gesetzt haben (das Geld hing schon halb aus der Tasche heraus) und versucht haben, vor Ort einen guten Deal zu machen. Der Versand hat zu dieser Zeit, mit knapp 10 Paketen pro Tag, noch in den Kinderschuhen gesteckt. E-Commerce war noch nicht existent bzw. den Begriff gab es zwar, aber er war so ein bisschen verpönt.

Zu Historie bei Netzmarkt…

Unser Host, der damals auch den ersten Webshop programmiert hat, war Netzmarkt, quasi ein Internet-Kaufhaus. Und wir waren da im 6. Stock „Freizeit“ mit der ersten Website vertreten. Netzmarkt ist inzwischen eine Tochterfirma von Thomann und die machen jetzt die ganze Infrastruktur.

Zur eigenen Unabhängigkeit von E-Commerce Standardlösungen…

Ja, wir hatten halt einen eigenen Shop, weil unser Sortiment sehr speziell ist und zu dem Zeitpunkt, als wir diese Entscheidung getroffen haben, gab es auch nicht wirklich etwas Gutes zu kaufen. Intershop fand ich technisch nicht gut und hätte unser Sortiment auch nicht gut abbilden können. Die anderen Sachen waren so ein bisschen wackelig und hätten auch die ganzen Produkte nicht handeln können. Ich bin selbst auch Entwickler, weshalb es auch ein bisschen Entwickler-Ehre war, dass ich halt einen eigenen Shop bauen wollte, was ich heute wohl auch nicht mehr so gemacht hätte. Wir sind aber auch heute noch froh, dass wir einen eigenen Shop haben, den wir anpassen können.

Zur Frage, was sie in der „Aufbruchzeit“ besser gemacht haben als Musicstore, Musik produktiv und Co. …

Es war eben schon so die DNA, dass wir uns immer ein wenig mehr anstrengen müssen, um überhaupt Kunden zu bekommen. Musicstore sitzt halt in Köln, hat eh immer Laufkundschaft gehabt und ist in seiner Region der Größte. Da hast Du eine andere Selbstwahrnehmung als in einem Laden, der quasi um jeden einzelnen Kunden kämpfen muss. Ich glaube, was wir besser gemacht haben war, von Anfang an auf Logistik zu setzen. So haben wir von Beginn an auf das größte Sortiment, die besten Preise und auch die beste Produktdarstellung abgezielt. Ich weiß noch, wie ich damals dafür gekämpft haben, dass wir wirklich für jedes Produkt auf jeder Seite ein Bild haben und das halt auch die Website schnell und auch mit jedem Device bedienbar ist. Das sind alles Sachen, die waren damals nicht immer selbstverständlich. Aber wir wussten, dass wir Kunden haben, die stundenlang auf der Website herumstöbern und denen wollten wir ein cooles Erlebnis bieten. Die Kunden sind zu Fans geworden, haben uns weiterempfohlen und Thomann halt in die Band reingebracht oder dem Nachbarn empfohlen. So sind wir halt zu dem Category Killer in der Branche geworden.

Zur Bedeutung von Content-Marketing bei Thomann…

Es war so, dass wir schnell gemerkt haben, dass wir keinen Tech-Krieg gegen irgendwen gewinnen können, aber wir können halt mit Produktliebe punkten. Wir haben alles auf Lager gehabt, also jedes Produkt, das bei uns auf der Website ist, führen wir auch. Du kannst ins Auto steigen, wenn ein Produkt auf der Website als verfügbar angezeigt wird und das Produkt vor Ort ausprobieren. Wir haben versucht, mit Produktdarstellung und Produktliebe zu punkten. Ein großes Netzwerk an Musikern und Musiker-Websites hochgezogen und inzwischen auch viele YouTube-Kanäle und haben es darüber geschafft, den Nutzern, die sich in ihrer Freizeit damit beschäftigt haben, die Produkte auf eine Art und Weise nahezubringen, dass sie halt keine anderen Fragen mehr hatten und auch nicht mehr in einen stationären Musikladen fahren mussten, um die Sachen auszuprobieren oder anzufassen. Das war früher wirklich ein Riesenthema, dass viele Leute gesagt haben, dass sie nie etwas über den Versand kaufen würden. Durch die Möglichkeiten des Internets mit 360 Grad Bildern, mit User-Bewertungen und Geld-Zurück-Garantie haben wir diese Hürde genommen.

Weiterführende Links:

Thomann Music

OMR Feature Thomann

Brandeins: Der Ton macht die Musik

27
Blind Spot – KI Kunst mit Blinden Im Gespräch mit Cihan Tamti

In dieser Ausgabe unseres Podcasts sprechen wir mit dem bekannten Designer Cihan Tamti aus Bochum im Schwerpunkt über das zugrunde liegende Projekt seiner Bachelor-Arbeit „Blind Spot“ an der FH Dortmund. Die Idee für das Vorhaben entstand dabei eher zufällig über einen Clubhouse-Kontakt und eine KI, die aus Worten Bilder entstehen lassen kann. Diese Gattungsform ist heute auch unter „text2art“ bekannt. Aus dieser Möglichkeit heraus entwickelte sich dann die Idee, ein entsprechendes Setup im Rahmen eines Projekts zur kreativen Arbeit mit Blinden zu nutzen. Hierfür fand man drei Probanden, die sich an dem Vorhaben beteiligten und alle in einer früheren Phase ihres Lebens sehend waren.

Die Begriffe, die anschließend für die Visualisierung durch die KI genutzt wurden, sind über Interviews mit den Probanden und relativ allgemeinen Fragen entwickelt worden. Anschließend wurde versucht, den Blinden das Resultat ihres Schaffens verbal zu vermitteln, was sich als relativ schwierig herausstellte. Denn auch hier im Visuellen griff das Phänomen der „stillen Post“, was zu gänzlich unterschiedlichen Beschreibungen des gleichen Bildes durch verschiedene Betrachter führte.

Aus diesem Dilemma für die Probanden entwickelte sich die nächste Folgestufe des Projekts. Mit Hilfe eines 3D-Druckers wurden die Bilder nunmehr in eine formale Ausprägung umverwandelt, um fortan als taktile Lösung von den Probanden sensitiv wahrgenommen werden zu können. Hierfür hat der 3D Designer eine entsprechende Auswahl aus den bestehenden Arbeiten getroffen, um anschließend das Bild in eine dreidimensionale Gestalt hinein zu interpretieren. Auch der 3D Drucker selbst hat mit seiner Textur dann noch eine zusätzliche Veränderung in das Werk einfließen lassen. Aus diesen Aspekten der Umsetzung heraus, wurden die Einflüsse zum Prinzip des Modellversuchs erklärt und damit als ein Teil der Arbeit definiert.

Die finale Plastik wurde dann wiederum an die Probanden als Arbeitsergebnis übergeben, begleitet von der Frage, ob so viel externer Einfluss auf das Werk überhaupt hinnehmbar sei. Das sei ihr „tägliches Brot“ erwiderten die Probanden darauf. So müssten sie sich auch im alltäglichen Leben auf Schilderungen und Beschreibungen anderen verlassen, ungeachtet einer von ihnen abweichenden Wahrnehmung. Sie begriffen sich in ihrem Schaffen am Ende auf jeden Fall als künstlerisch Aktive und können sich eine Fortführung dessen ungeachtet des Projekts sehr gut vorstellen.

Außerdem hatte Cihan bei unserem Gespräch eine neue Ausgabe des „Homebound“ im Gepäck. Inzwischen ist es die Nummer drei dieses „Herzensprojekts“, dass seinen Anfang unmittelbar in der Pandemie-Startphase genommen hat und in dem sich freie Plakatarbeiten unterschiedlichster Künstler – vom internationalen Top-Designer bis zum ungeschliffenen Rohdiamanten aus dem Erstsemester – wiederfinden. Aber nicht allein die Arbeiten, sondern auch das Publishing und die Produktion selbst fällt immer wieder spektakulär aus und ist einen Blick wert.

Viel Spaß und Inspiration beim Hören unseres – hoffentlich kurzweiligen – Podcasts mit Cihan…

26
Haltung annehmen, Marketier Olli und Ralf im Gespräch über Krisenkommunikation

Haltung zeigen, Marketier!

Public Relations und Marketing in Unternehmen haben schon lange nicht mehr allein mit dem Zweck der Unternehmung zu tun. Die Messlatte liegt inzwischen deutlich höher. Immer häufiger geht es auch darum, neben reinen Purpose-Aspekten zudem Haltung in gesellschaftlichen, ethisch-moralischen und politischen Fragen zu zeigen und ggf. auch zu beweisen. Das erwarten potenzielle Mitarbeiter inzwischen ebenso wie Kunden und Partner. Ob es nun um #blacklivesmatter, #climatechange, #diversity oder ganz aktuell um #standwithukraine geht: Unternehmen fühlen sich – insbesondere im Bereich der Socialmedia-Kommunikation – beinahe schon genötigt, hier „klare Kante“ zu zeigen und eindeutig Position zu beziehen. Kein leichtes Unterfangen für die Marketer und Kommunikations-Profis, weil man – trotz bester Absichten und einem einwandfreien ethisch-moralischen Kompass – schnell das Gegenteil der mit der Positionierung verfolgten Absichten erreichen kann.

In dem aktuellen Podcast der Digitalen Originale tauschen sich Olli und Ralf, vor allem auch unter dem Eindruck des aktuellen Kriegs in der Ukraine, genau zu diesem Thema aus und versuchen damit verbundene Risiken und Verhaltungsweisen für Unternehmen zu benennen sowie sich daraus ergebene parallele Aspekte wie die immer stärker grassierende „Cancel Culture“ einzuordnen. Ein schwieriges Thema, dass nur insofern mit Digitalisierung zu tun hat, als dass große und entscheidende Teile der Kommunikation im Socialweb stattfinden. Die Äußerungen spiegeln dabei auch vielmehr persönliche Gedanken, Äußerungen und Standpunkte wieder, als dass sie eine gesamte unternehmerische Haltung der Agentur repräsentieren würden.

Sollte es die Hörer dazu anregen, den geäußerten Meinungen eigene Standpunkte gegenüber zu stellen oder Inspiration zur eigenen Auseinandersetzung schaffen, wäre alles erreicht, was wir mit dieser Ausgabe erreichen möchten. Feedback ist selbstredend ebenfalls jederzeit willkommen!

25
Glückauf mit Grubengold Im Gespräch mit Matthias Hoffmann

Glückauf mit Grubengold

Im Gespräch mit Matthias Hoffmann

Über Grubengold…

Wir sind ein kleines Unternehmen aus Bochum. Wir unterstützen Unternehmen und Personen dabei, die Welt nachhaltiger zu machen, indem wir ihnen auf der einen Seite helfen ihre Transformation durch Innovationsansätze zu schaffen und auf der anderen Seite denen helfen, die etwas Neues – ein Unternehmen, ein Produkte – starten wollen. Hier schauen wir, wie man das möglichst erfolgreich angehen und dabei gleichzeitig nachhaltig angehen kann.

Zum Namen Grubengold…

In der jetzigen Form gibt es Grubengold seit zwei Jahren, gab es aber vorher schon als kleines Seitenprojekt neben unserer Arbeit im Konzern und da war es einfach pure Bergbauromantik. Wobei das den Kern ans Licht holen, das herausfördern, als Team neue Ideen entwickeln schon Teile einer guten Reihe sind, in die man sich stellen kann.

Es ist ein sehr schöner Name, aber auch ein unpraktischer Name, weil es ihn auch vielfach schon gibt. Es gibt einen Schnaps, es gibt ein Badesalz, es gibt einen Fotografie-Laden, es gibt ein Restaurant… also es war SEO-technisch schon eine Herausforderung, dass wir jetzt oben stehen.

Über seinen Werdegang…

Ich bin in Bochum geboren und habe hier Mathe studiert, danach noch ein bisschen Psychologie und BWL, bin dann bei RWE eingestiegen und der Bereich wurde dann irgendwann zu innogy. 12 Jahre in der Energiewirtschaft verbracht und die letzten fünf Jahre zum Thema digitale Produktentwicklung und Innovationen. Und so haben wir uns ja auch das erste Mal kennengelernt. Ich habe dann vor zwei Jahren – pünktlich zur Pandemie – den Schritt aus dem Konzern rausgemacht, nicht so sehr, weil es mir da nicht mehr gefiel, sondern weil ich noch einmal komplett etwas anderes machen wollte. So kam es, dass wir Grubengold neu aufgesetzt haben und jetzt da sind, wo wir sind.

Zu Rolle innogys als Inkubator für neue Technologien…

Auf der einen Seite, dass es ein ganz klares Commitment in Richtung Zukunftstechnologien gab. Man gründet sozusagen aus der RWE den Teil aus, der die Zukunftsthemen repräsentiert. Konkret: die Kunden, die erneuerbaren Energien und die Netze. Das werden nach der Transformation der Energiewirtschaft ja weiterhin die drei Säulen sein. Es war die Idee, diese auszugründen und vom fossilen zu befreien. Von diesem Kern ausgehend, hat man den richtigen Leuten auch immer Freiräume gegeben, die dann wiederum anderen Freiraum geschaffen haben, so dass diese gestalten konnten. Das, in Kombination mit der Marke, die ja viel Aufbruch repräsentiert hat, hat für so einen großen alten Tanker aus der Energiewirtschaft schon einiges möglich gemacht.

Zur Unternehmenskultur bei Grubengold…

Grubengold haben wir von der grünen Wiese aufgebaut und konnten uns von Anfang an überlegen, wie wir es machen wollen und haben dabei Aspekte wie „wir entscheiden gemeinschaftlich über Themen“ oder Ansätze von Holokratie mit einbringen können. Dann sind wir geprägt von dem Thema „Business Hippitum“, dass es bei der Arbeit nicht nur darum geht Geld zu verdienen, sondern auch um die Frage, was passiert mit den Leuten, die bei der Arbeit sind und wie wirkt es auf die Welt. Wir haben aber auch ganz viele Leute, die sehr viel Liebe zum Detail haben und die sich dann – wir haben gerade eine große Bewerbungswelle – fragen: Wie schreibt man eigentlich eine gute Absage? Über solche Dinge machen wir uns Gedanken und in Summe erzielt das eine Wirkung. Wichtig ist, dass man Verbündete auf diesem Weg dabei hat, dann muss man sicher auch ein bisschen verrückt sein und auch Sachen machen, die bewusst ein wenig aus dem Rahmen fallen und auch auf Sachen achten, die im Tagesgeschehen gerade nur eine Kleinigkeit auszumachen scheinen.

Über Kunden und Nachhaltigkeit…

Wir haben mit Kunden zu tun, die neue Produkte oder eine neue Innovation herausbringen wollen uns sich Gedanken machen, wie sie das am Besten hinbekommen. Und da kommen wir dann dazu und helfen ihnen. Und zusätzlich bringen wir dann die Facette der Nachhaltigkeit mit. Jedem, der heute ein Startup startet, der ein neues Produkt herausbringt, kann man nur raten, das direkt nachhaltig zu machen, denn morgen musst du eh nachhaltig werden. Das ist die von der Innovation kommende Seite. Wenn ich auf der anderen Seite als Unternehmen nachhaltiger werden möchte, komme ich ganz schnell zum Thema Innovation, weil ich vor der Herausforderung stehe, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern mich zum Kern meines Geschäftsmodells bewegen muss.

Das Thema Nachhaltigkeit fängt jetzt an sich zu bewegen, was schon einmal gut ist. Zumindest in allen Marketing-Abteilungen ist es angekommen. Das reicht natürlich nicht. Was die Politik durch die Regulierungen gestartet hat, sind härtere Regeln und die Erkenntnis, dass ich nur noch „mitspielen“ darf, wenn ich nachhaltiger bin. Außerdem ist durch die Taxonomie eine Zweiklassen-Gesellschaft in der Finanzwirtschaft geschaffen worden und es eine klare Zuordnung gibt, was nachhaltig ist und was nicht.

Weiterführende Links:

Grubengold

Sanderson Jones

Ansvar2030

24
DisruptHR Im Gespräch mit Chris Böhler

Disrupt HR

Im Gespräch mit Chris Böhler

Zur aktuellen Situation in der Energiewirtschaft… Die Energiewirtschaft ist immer noch in einem mächtigen Berg-/Tal-Fahren. Ich habe im September erst die letzte Preiserhöhung gehabt und jetzt – haben sie gesagt – müssen sie die Preise leider noch einmal erhöhen, weil sich seit September die Energiepreise verdreifacht haben. Das ist unglaublich. Da musst Du dann gucken, dass Du mit Kunden auch so zurecht kommst und das Du die noch bei der Stange hältst. Aber wo wollen die auch hin? Die machen ja alle gerade ihre Preise teuer.

Zur aktuellen Selbsterfahrung als Energiekunde… (auf die Frage: Wie fandest Du den Service Deines Energieversorgers) Ich habe jetzt einen anderen Energieversorger. Ich fand den gut, muss aber sagen, dass es auf dem Weg dahin echt ruckelig war. Ich kenne das ja. Ich weiß, wie die Netzbetreiber und Energielieferanten sich abstimmen müssen. Und bei mir passierte dann folgendes: Ich habe einen Anruf vom Netzdienstleister bekommen, der gesagt hat, Euer Stromzähler ist ja gesperrt, ich komme jetzt gleich, um den zu entsprerren. Und ich habe geantwortet, dass ich seit ungefähr zweieinhalb Jahren Strom habe und gerade vor einem Rechner säße, der lädt. Ich hätte damit kein Problem. Er entgegnete, dass wir doch gesperrt seien und ich antwortete: Nein, das sind wir nicht.

Zum persönlichen Hintergrund… Ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Ecke. Ich bin eigentlich Zimmerer und im Herzen bin ich es immer noch. Ich würde da wahrscheinlich auch noch arbeiten, wenn ich damit Geld verdienen könnte. Ich habe dann irgendwann einmal Informatik studiert (a.d.R. Medieninformatiker) und habe mich anschließend darauf spezialisiert Leute zu befähigen, weil ich irgendwann gemerkt habe, die Informatik ist einfach arschtrocken. Daraus ist dann irgendwann die Nische entstanden, die ich gesucht und gefunden habe. Leute digital zu befähigen, über Online-Lernprogramme oder andere Medien. Ich habe mich dann sukzessive weiterentwickelt und habe die Agilität für mich entdeckt. Ich bin wie ein Fisch im Wasser: Wenn die Strömung in eine andere Richtung geht, dann schwimme ich da ganz gerne hin. Ich habe es über verschiedene Stationen geschafft, dass ich jetzt selbstständig bin und Unternehmen dazu zu befähigen, vielleicht auch anders zu denken, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die sie vorher nicht hatten und alte Hindernisse loszuwerden. Meistens stehen sich die Leute ja eher selbst im Weg als das es irgendwelche anderen Probleme auf dem Weg dahin gibt erfolgreich zu sein. Und was ich predige, versuche ich auch bei mir anzuwenden, denn da ist es auch recht holperig.

Zur Freiheit in der Selbstständigkeit… Definitiv. Da gebe ich Dir absolut recht. Ich habe jetzt ein Sabbatjahr mehr oder weniger hinter mir und bin jetzt seit Januar so richtig drin. Dieses Jahr habe ich genossen. Da konnte ich mich um die Familie kümmern und ich konnte mich um meinen Bau kümmern. Und das war einfach auch notwendig, um diesen Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Von daher alles gut. Es sind halt nur diese Abhängigkeiten, wenn man sich vorstellt, dass die Stricke reißen und man sich sagt: Wow, wenn hier was schief geht, dann fahre ich den Karren aber ganz schön an die Wand.“ Ein Plan B tut da halt ganz gut.

Zur Suche nach beruflicher Erfüllung… Ich kann es nicht mehr haben, mich irgendwie in einen Kasten stecken zu lassen. Als Angestellter bist du halt in einem Kasten drin und kommst da eigentlich auch nicht mehr raus. In einem ganz normalen deutschen Unternehmen hast Du einfach Deine Rolle und Deine Aufgaben und die hast Du zu erfüllen. Crossfunktionalität, selbst organisierte Teams – das, was Agilität so reizvoll macht – wird einfach nicht gelebt. Nicht in den Unternehmen, in denen ich eigentlich ganz gern arbeiten würde. Ich bin eigentlich permanent im Aufbruch und ich reorganisiere mich eigentlich permanent. Das war anfänglich der Switch vom Zimmermann zur Informatik. Ich habe an einem Tag wirklich den Hammer in die Kiste gelegt und am anderen Tag die Tastatur rausgeholt. Wortwörtlich. Ich saß vorher noch nie an einem Computer. Der erste Tag meines Studiums war der erste Tag an einem Computer.

Zum Thema „Disrupt HR“… Ich habe im HR Bereich gearbeitet und habe gedacht: Leute! Das können wir besser. Warum eigentlich immer Dienst nach Vorschrift? Warum stellen wir uns nicht selbst infrage?

Zum unternehmerischen Wandel bei innogy… Das war sicher auch von der Notwendigkeit zur Veränderung getrieben. Die Energiewirtschaft hat schon relativ bald erkannt, das es so nicht weitergeht. Sie hatten ihr Monopol verloren, sahen sich zunehmend mit mehr Wettbewerb konfrontiert und dann auch noch unter dem Eindruck von Fukushima, mit dem die Atomkraft den Bach hinunter gegangen ist usw. In Summe also extreme Disruption. Im Zuge dessen wurde innogy mit dem Anspruch mehr renewable zu sein und mehr ökologisch geprägt, die Dinge anders zu machen eben auch gegründet. Mit der Idee und auch dem Anspruch Business-Modelle zu entwickeln, die vielleicht später einmal tragfähig sind. Ich denke, dass ist eben das kreative und explorative Element gewesen, das so reizvoll war. Das hat von der Idee her erst einmal innen fruchtbaren Boden gefunden und ist dann eben nach außen getragen worden.

Mehr Infos unter:

Rodenwerk

Chris Böhlen bei LinkedIn

23
Interfaces und Erlebnisse Im Gespräch mit Nadia Wiegand

_Zum Thema Autolayout als neuer Gamechanger… Autolayout ist ein sehr gutes Tool, mit dem man als Designer sehr schnell arbeiten kann und sich in einem Kontext bewegt wie ein Entwickler, weil wir immer in Boxed Models arbeiten, was es für skalierbare Anwendungen sehr viel besser macht. Und Autolayout ist ja auch nur ein kleines Fragment in diesem großen System, wie man sehr schnell Prototypen erstellen kann, was wiederum sehr nützlich ist, um schnelle Ergebnisse zu generieren.

Zur Automatisierung im Design allgemein… Ich finde nichts ist schlimmer als ein Zeitfresser, den man hätte automatisieren können. Es gibt im Job so viele Aufgaben bei denen man darüber nachdenkt, warum sich dort noch niemand Gedanken gemacht hat, wie das einfacher funktionieren kann. Und dort spielt mir dann ein Tool wie Autolayout in die Karten. Bei einem Screendesign, wo du ein großes Projekt anlegst und viele verschiedene Pages hast, über Autolayout initial Aufgaben und Komponenten anzulegen, die sich dann auf das gesamte Design niederschlagen, betrachte ich als einen echten Gamechanger.

Zum eigenen Toolset… Bei mir hat sich Figma inzwischen als wichtigstes Tool durchgesetzt. Ich habe mit einigen, verschiedenen Anwendungen wie Sketch oder Adobe XD gearbeitet und besitze eine dunkle Vergangenheit mit Photoshop, Illustrator und sogar Paint, was inzwischen aber auch schon mehr als zehn Jahre her ist. Die jetzige Lösung hat sich dabei vor allem deshalb heraus kristallisiert, weil sie gut zur Zusammenarbeit mit einem Entwickler passt. Als UX- und Interface Designer musst Du ja immer in einer Doppelspitze unterwegs sein und neben dem Design auch die Arbeit der Entwickler im Auge behalten. Es gibt zahlreiche Plugins, die am Ende sogar Code-Snippets „ausspucken“ und vieles mehr. Wie sich das inzwischen bei anderen Tools verändert hat, kann ich nicht sagen, weil ich seit über einem Jahr ausschließlich mit Figma unterwegs bin.

Zum Weg und zur Spezialisierung im Design… Rückblickend war das schon sehr früh. Damals in der Schulzeit hat mich immer schon interessiert, wie ich Informationen schlau gliedern kann, dass man sie auch wirklich versteht. Bei Vorträgen oder auch Hausaufgaben etwa. Das hat sich später dann dahingehend entwickelt, dass ich meine Leidenschaft für das Design damit verbunden habe. Die Begeisterung und den Feinschliff hat mir dann an der Uni ein Professor vermittelt, bei dem ich beinahe alle Kurse belegt habe und der die Fragen in den Raum stellte: Wie können wir digitale Medien besser machen? Wie können wir digitale Medien nutzen? Nach dem Abschluss bin ich dann als Art Direktorin in eine Agentur gegangen und war dort für UX- und UI-Design verantwortlich und habe viele Projekte begleitet. Und bei dieser Arbeit bin ich bis heute geblieben, weil ich merke, dass ist etwas, für das ich jeden Morgen gerne aufstehe, weil es mir einfach großen Spaß macht.

Über aktuelle Trends im Design… Ich bin immer sehr vorsichtig, wenn es um Trends geht, schaue aber auf Dinge, die sich zum Wohl des Nutzers verändern. Dabei kommt es dann auch immer sehr darauf an, in welchem Kontext man sich gerade bewegt. Was ich verstärkt beobachte ist eine stärkere Veränderung hin zu Micro-Interactions, was ich persönlich auch total gut finde., weil Interfaces dadurch immer lebendiger werden. Sie erzeugen Emotionen, indem sie – über kleine Ebenen und kleine Animationen – quasi mit dir kommunizieren. Das ist jetzt nichts unbedingt Neues, wird aber immer häufiger eingesetzt. Das liegt sicher auch daran, dass der Zugang dazu – beispielsweise durch den Zugriff auf entsprechende Libraries – immer einfacher geworden ist. Ein anderes Thema, das ich beobachte ist das UX-Writing, bei dem es um anwendungsbezogene Kommunikation geht, die man als kleine „Brotkrumen“ verstreut, so dass man sich viel einfacher durch ein Interface durchnavigieren kann. Und dann auf jeden Fall auch noch 3D-Animationen oder generell das Thema 3D. Diese Weite, die ich auf meinem Screen haben kann, wenn ich mit WebGL unterwegs bin.

Über die Erfahrungen mit dem eigenen Tesla… Ein Benutzerhandbuch brauchte ich tatsächlich noch nie, weil alles ganz intuitiv gelöst ist, was ich sehr begrüße. Man muss sich erst einmal umstellen, weil man keine Anzeigen mehr hinter seinem Lenkrad hat, sondern nach rechts auf das große Display schauen musst und das du von dort aus auch viele Dinge bedienst. Das ist ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es natürlich auch dort Dinge gibt, die noch nicht so richtig funktionieren. Ich begrüße immer Dinge, die getestet werden und das ist ja auch nichts anderes als ein Test. Dieses Display ist sehr beeindruckend und du kannst unendlich viele Dinge damit machen. Du kannst die Heizung damit steuern, du kannst Fahrerprofile damit speichern, du kannst Netflix gucken, wenn du irgendwo beim Laden stehst. Was sich noch verbessern ließe, ist die Bedienung während des Fahrens. Da gab es jetzt ja so ein schönes Update, was von der Nutzerführung und dem Interface meiner Meinung nicht so in die richtige Richtung gegangen ist. An machen Stellen vielleicht, an anderen ein bisschen weniger.

Über die "Idee Tesla"… Man macht eine sehr steile Lernkurve mit, zu der auch gehört, dass die Dinge anders eingestellt werden müssen. An der einen oder anderen Stelle stelle ich mir auch die Frage, ob das nicht schon der Bedienung eines Smartphones nahekommt. Wenn ich meinen Scheibenwischer einstellen will, mache ich das nicht mehr über einen Regler, sondern muss über das Display in ein entsprechendes Menü wechseln, wenn ich die Sitzheizung nutzen möchte, muss ich über einen passenden Shortcut gehen. Es ist einfacher wenn du Knöpfe drücken kannst bei einem Fahrzeug, das nicht über ein Display gesteuert wird. Wenn du keinen Beifahrer hast, musst du für die eine oder andere Einstellung tatsächlich ranfahren, damit du sicher unterwegs bist. Und ich weiß nicht, ob das in die richtige Richtung geht.

Weiterführende Links: Website Nadia Wiegand

22
Wie sexy ist B2B? Im Gespräch mit Ansgar Hein

Wie sexy ist B2B?

Im Gespräch mit Ansgar Hein, Thinkb2b

Ansgar Hein ist bereits seit 1997 professionell im Internet als Marketingprofi und Technik-Versteher unterwegs. Über NewMedia, E-Commerce, E-Payment hat er online schnell Fahrt aufgenommen, um anschließend den Weg zu einer eigenen Agentur und einem eigenen Verlag zu finden. Dann als Marketer wieder zurück auf die B2B-Unternehmensseite und seit kurzem wieder zurück in die Selbstständigkeit als Unternehmensberater für Marketing und Embedded Technologies. Marketing trifft Technik kennzeichnet dabei kontinuierlich seinen beruflichen Werdegang.

Zu der Zurückhaltung von Kreativagenturen gegenüber B2B

B2B ist nicht so „fancy“ in der Außendarstellung wie B2C, was aber auch daran liegt, dass man eben keine breite Masse erreichen muss. Das bedeutet aber wiederum keineswegs, dass es langweilig sein muss oder nicht sexy sein darf…ganz im Gegenteil. Für mich persönlich sehe ich da kaum Unterschiede zum B2C.

Zur Kommunikation im B2B Umfeld

Das B2B Marketing-Thema ist in der Historie schon sehr stark technisch geprägt. Das wird auch immer noch von Ingenieuren oder Technikern geführt, die mitunter gar keinen Marketing Background haben, aber dann ins Marketing gegangen sind. Entsprechend werden dann Fakten „gebolzt“, was ja prinzipiell auch richtig und wichtig ist. Das heißt aber natürlich nicht, dass Fakten langweilig dargestellt werden müssen.

Zur Frage, wie man Coca Cola im B2B Umfeld vermarkten würde

Man würde vermutlich damit anfangen, die Rezeptur auseinander zu nehmen, ohne dabei das Geheimnis der Rezeptur zu verraten. Die Cola würde über eine Erklärung, dass da ein Phenolsäureextrakt sei, das zu 0,2% antiseptisch wirke verkauft werden. So würde es B2B aufziehen.

Genau das beschreibt die Diskrepanz, die wir zwischen B2B und B2C beobachten. B2C hat sich davon komplett gelöst und argumentiert nicht mehr über die Stoffe – zumindest zum größten Teil nicht mehr – während es für B2B die Unterscheidungsmerkmale zum Wettbewerb darstellt.

Zum Community Gedanken im B2B Business

Wenn wir jetzt mal auf den Kundenstamm eines mittelständischen Unternehmens blicken, dann treffen wir da keine Millionen an, sondern es handelt sich um einen kleinen, ausgewählten Kreis von einigen hundert oder manchmal ein paar tausend Kunden, je nachdem wie weit die Marke trägt und agiert. Aber wenn man sich das anschaut, dann ist das wie ein VIP Klub. Und ich finde, dass das dann auch gemanaged werden sollte wie ein VIP Klub. Da muss man dann vielleicht auch noch einmal ein wenig segmentieren und die Top-Kunden filtern, dann hat man vielleicht noch ein paar „Möchte-gern“-VIPs und man hat Leute, die vielleicht überhaupt einmal in den Klub hinein schnuppern möchten. Und um diese Situation herum kann man doch eine tolle Geschichte bauen.

Zum Unterschied legendärer B2B „Love brands“ und "typischen KMU"

Wir haben diese Leuchttürme wie John Deer, Catarpillar oder auch Intel und neigen schnell dazu, diese zu überhöhen. Ich habe aber auch bereits in einem eher ländlichen Unternehmen mit rund 45 Mitarbeitern erfolgreich eine B2B Community aufgebaut.

Zur Vorgehensweise bei diesem Modell

Es gibt keine Blaupause dafür. Was ich in dem genannten Fall gemacht habe, war zunächst mit meinem Team einen tollen Event aus dem Boden zu stampfen. Hierzu haben wir alle Topkunden eingeladen und haben die Veranstaltung auch direkt als VIP Event kommuniziert. Und wir haben damit eine überragende Quote erzielt: Von 200 eingeladenen Adressaten konnten wir 160 bei der Veranstaltung begrüßen. Und das war der Startpunkt. Und von da an haben wir nicht mehr losgelassen. An die Veranstaltung schloss sich eine Nachberichterstattung an, haben dann an Weihnachten und zwischendurch Events veranstaltet und ihnen Informationen zugespielt, die sonst niemand bekommen hat. Klar, zwischendurch springen auch schon mal ein paar ab, aber es kristallisiert sich schnell ein harter Kern heraus, der Interesse am Austausch, am Netzwerken mit anderen und daran, sich immer stärker an den Brand des Unternehmens zu binden, verspürt. Und das haben wir entsprechend bedient.

Links zum Thema:

Think B2B

B2B Marketeer

The Community Canvas

21
Sound Kommunikation Olli und Ralf sprechen über die Macht der Musik

Im Gespräch über Sound Kommunikation

DO ist aufgefallen, wie wichtig Sound – also nicht einmal unbedingt ausschließlich Musik – in der Kommunikation ist, wenngleich er oft auch nur unbewusst wahrgenommen wird.

Auch ohne den Blick auf den psychologischen Zusammenhang spielt Musik aus Sicht der DO in der Kommunikation eine zentrale Rolle. Wenn man beim Film ansetzt, denkt man schnell an die Stummfilmzeit, in der die filmischen Werke von einem Live-Musiker – einem Pianisten – begleitet wurden. Ihnen fiel dabei schnell die Rolle zu, angedachte emotionale Reaktionen auf die Handlung über Musik zu verstärken. Damit ist die Rolle, die Musik in der Folge im Film und auch in der Werbung traditionell einnimmt bereits sehr klar umrissen. Musik ist geeignet uns emotional auf eine sehr prägende Weise einzunehmen, was auch an Songs und Musikern deutlich wird, die uns während des Heranwachsens begleiten und nicht mehr loslassen. Man verbindet Situationen, Begegnungen, Beziehungen und vieles mehr mit Musik oder mit Sound.

Was das akustische Treiben von Sound im Film betrifft, ist Hitchcocks „Psycho“ mit der legendären „Duschszene“ für die DO ebenfalls ein fantastisches Beispiel. Ohne eine wirkliche Bedrohung oder Gewaltanwendung zu zeigen, verstärkt der kreischende Sound der Violinen die bedrohliche Stimmung. Ähnlich gut gelungen ist das bei Spielbergs „Der weiße Hai“, bei dem man das bedrohliche Tier lange Zeit gar nicht zu Gesicht bekommt, über das musikalische Motiv aber dennoch seine Anwesenheit „wahrnimmt“.

Als Reaktion auf das Übermaß akustisch verstärkter Emotionstreiber im Film, hat sich die Gruppe „Dogma 95“ um den dänischen Regisseur Lars von Trier einem Manifest verschrieben, dass u.a. keine nachproduzierte Musik in Filmen zuließ. Musik im Film war damit nur möglich, wenn sie als Teil der Handlung tatsächlich auch auftauchte.

In der Weiterentwicklung hat auch das Marketing diese Idee aufgegriffen und sich beispielsweise mit der Gestaltung von Sound Logos beschäftigt. Die DO nennen hier stellvertretend Audi, die mit der akustischen Idee eines schneller schlagenden Herzens ein Sound-Signet gesetzt haben. Das legendäre „dadadadida“ der Telekom feierte 2019 bereits seinen 20. Geburtstag, und Frosta lieferte in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts in einem eindrucksvollen Blog-Beitrag eine vage Vorstellung vom Wert eines Sound-Logos. Der klägliche Versuch, in diesem Zusammenhang einen Kalauer mit Bezug auf die Glocke bei den Pawlowschen Hunden zu reißen und deren Klang als Signet für Hundefutter zu verkaufen, scheitert auf der ganzen Linie.

Im Web tut man sich dagegen mit der Einbindung von Musik und Sound deutlich schwerer. Er muss in der Regel, wenn überhaupt vorhanden, aktiv vom Seitenbesucher „angefordert“ werden, was den Aufbau einer natürlichen emotionalen Stimmung eher erschwert. Eine Theorie der DOs führt dieses auf den eher inflationären Einsatz von Sounds und Musik in den Zeiten der weit verbreiteten Flash-Technologie zurück. Heute aber sei Sound im Web eigentlich wieder wünschenswerter und könnte im Bereich des Nutzererlebnisses beispielsweise als Feedback-Instrument für eine richtig oder falsch ausgeführte Handlung viel stärker zum Einsatzkommen. Auf Computern und Devices ist das ja bereits ein fester Bestandteil der Oberflächen-Gestaltung.

20
Gott ist ein Kreativer – kein Controller Im Gespräch mit Frank Dopheide

Gott ist ein Kreativer – und kein Controller

Im Gespräch mit Frank Dopheide

Zu den Kanzler-Kandidat:innen der bevorstehenden Bundestagswahl

Ich erkenne große Traurigkeit. Ich erkenne Fake-Leadership, aber nicht irgendjemanden der die Ärmel hochkrempelt, die Dinge in die Hand nimmt, tapfer genug ist, eine eigene Vision oder Zielrichtung zu entwickeln und ich glaube, das spüren irgendwie alle. Wenn das das Beste ist, was Deutschland an politischer Führung zu bieten hat, dann fühlen wir uns alle nicht gut. Und deshalb gibt es wahrscheinlich auch noch so viele Unentschiedene und Unentschlossene und man hofft, dass sich noch irgendetwas ändert, auch wenn wir nicht genau wissen, wie das passieren soll.

Zur Motivation für das Buch

In erster Linie ist es Kampfgeist, in zweiter Linie ein großes Ungerechtigkeitsgefühl und in dritter Linie großer Optimismus. Wir haben die Kreativität abgeschaltet. Die rechte Gehirnhälfte ist in der Welt der Wirtschaft gar nicht mehr im Einsatz. Woran können wir das sehen? Die Logik entscheidet mittlerweile allein. Du kannst als Unternehmenslenker uninspiriert sein, du kannst unmoralisch sein und dann kannst sogar unerfolgreich sein, solange deine Entscheidungen nicht unlogisch werden und du allen erklären kannst, warum du das jetzt gerade so entschieden hast. Das führt aber dazu, dass wir alles, was für Menschen auch wertvoll ist – obwohl da gar kein Preisschild dran ist – zur Seite schieben. Somit haben wir für jede Lösung immer nur ein logisches Problem. Wir betrachten die Probleme der Welt wie eine Mathematikformel. Alle gucken drauf und alle kommen, rein logisch betrachtet, zu der selben Erkenntnis und zu der selben Logik. Das ist wie ein Navi, dass nur eine Route hat und da sind alle unterwegs und da ist Stau. Und deshalb glaube ich, mit dem logischen Denken, mit dem reinen Effizienzdenken á la „wir sourcen alles out“, „wir schneiden alles raus“, „wir optimieren uns im Detail“ kommen wir allmählich in eine Sackgasse. Die Kreativen unterscheiden sich massiv davon, weil die überhaupt neue Gedanken haben, die sie in die Welt bringen können. Die können etwas Neues von Wert schaffen und das ist jetzt mal gefordert. Wir sind mit unserem alten System, egal, ob wir Autos bauen, wie seit hundert Jahren, Zeitungen drucken, wie seit hundert Jahren, dieselbe Kopfschmerztablette schlucken, wie seit hundert Jahren, Strom produzieren, wie seit dreihundert Jahren allmählich in eine Sackgasse geraten und jetzt brauchen wir den gedanklichen Sprung, was in der Natur Mutation heißt.

_Zur Frage, inwieweit auch die Agenturszene vom „Logikproblem“ betroffen ist _ Das ist todtraurig. Hier ist ja wirklich die große kreative Kraft. Menschen, denen etwas Neues einfällt, die hohe Empathie … Einfühlungsvermögen in unterschiedliche Zielgruppen, Lebensformen usw. haben. Die übrigens auch sehr zäh sind und Nächte durcharbeiten können und aufs Wochenende verzichten, weil sie an bestimmte Ideen glauben. Und weil sie ja immer ein magisches Element haben, um zu hören: Wie seid ihr denn jetzt auf diese Idee gekommen? Wie kann diese Idee wertvoll sein? Wann immer Kreative ins Spiel kommen, erhöht sich der Wert eines Produkts, weil er nicht nur auf den reinen Erschaffungswert zurückzuführen ist. Dann kostet eine Louis Vuitton Tasche wahrscheinlich eher 29,90 EUR. Dann ist folgendes passiert: Man hat die Kreativität der Magie beraubt. Du hast die kreativen Prozesse auseinander geschraubt. Da war erst die Strategie, dann hast du Richtungen abgestimmt, dann hast du die Richtung in Überschriften formuliert, dann hast du die Überschriften mit Bildern illustriert und dann wurde praktisch gar nicht mehr das Gesamterlebnis zelebriert, sondern Stückchen für Stückchen für Stückchen, wie beim Auto, ein Produktionsprozess daraus gemacht. Dann hast du – auch grausam – nicht nur die Magie, sondern auch den Wert weggenommen, weil du auf einmal auf Stundensätze gegangen bist. (Beispiel:) „Wie lange brauchst Du denn als Texter, um dir da mal einen guten Satz einfallen zu lassen? Länger als einen Tag ja wohl nicht!“ Und ganz zum Schluss, das war vielleicht der größte Fehler von allen, haben wir gesagt: „Wir kreativen Leute fangen an zu denken, wenn Ihr ein Mediabudget habt. Solange Ihr keinen Mediaplan habt, braucht Ihr uns doch gar nicht.“ Solange es irgendetwas mit Menschen zu tun hat, mit Kommunikation, mit Vertrauen und Glauben, können kreative Geister innerhalb der Werbeindustrie zu Lösungen beitragen. Was wäre es eigentlich wert zu sagen, wir haben da übrigens eine Idee, wie sich jetzt einmal 15 Millionen Deutsche mehr impfen lassen. Hier ist unser Beitrag. Mein Gefühl ist, das wäre Milliarden wert. Aber das wird gar nicht abgerufen, weil das nicht mit Mediaplanung unterlegt ist.

Weiterführende Links:

Frank Dopheide: Gott ist ein Kreativer kein Controller

Wikipedia zur Person

human unlimited

Interview absatzwirtschaft: Warum ist Excel eine Erfindung des Teufels, Frank Dopheide?

19
Von der Zukunft erzählen Im Gespräch mit Dr. Martin Kiel

Von der Zukunft erzählen Im Gespräch mit Dr. Martin Kiel

Wo wir Martin kennengelernt haben… Martin war als Germanist viele Jahre IT-Leiter der Douglas Gruppe in Hagen. Er zollt dem Unternehmen noch heute Respekt dafür, so etwas auch zugelassen und den Blick über den Tellerrand ermöglicht zu haben.

Zu seiner Rolle als Kreativer… Ich kombiniere vielleicht ganz gut ein paar Dinge und bin manchmal auch ein wenig früh mit meinen Ideen. Ich wäre gar nicht denkbar, ohne das andere mich gut erklären.

Zum Binnen-Verhältnis von Kreativität und Technik… Ich zitiere hier gerne den lieben Kollegen der UdK Berlin, Stephan Porombka, der Menschen in ihrer Praxis als Medium der Gegenwart begreift und "als Medium der Gegenwart treffe ich natürlich jeden Tag Entscheidungen". Mache ich nur Print oder anderes oder begreife ich mich als gestaltender Mensch mit allem, was mir zur Verfügung steht. Ich sehe oft, dass radikale Trennungen noch immer opportun sind und das finde ich im Sinne der "hyper literacy" schwierig. Also das Erlernen der Sprache zur Digitalisierung bis hin zur Programmierung, diese zweite Alphabetisierung, die natürlich ein bisschen komplexer ist, macht dann den Unterschied.

Zu Verhältnis mit der eigenen Kreativität… Eine meiner Leitphilosophien war schon immer die der Immersion, nur damals konnte ich das gar nicht so nennen. Was kann das denn jetzt heißen? Da ich aus der Sprachforschung komme, also Deutsch als Fremdsprache, habe ich mir das irgendwann dort abgeguckt. D.h. wenn ich eine Sprache lernen will, dann gehe ich ja meist dahin, wo die Sprache gesprochen wird. Bei Innovation und Kreativität stellt sich ja die Frage, wo das "Land" dafür ist. Für mich waren immer der Keller, die Garage, die Werkstatt Orte, von denen ich dachte, da kommen Leute zusammen und da kann ich etwas ausprobieren… deshalb hatte ich auch immer so einen Anspruch – auch bei Douglas habe ich dann einen Keller ausgebaut – Menschen am Gegenstand zusammen zu führen. Darum finde ich es spannend, was heute im Bereich MVP, Agilität passiert, wenn das Ganze wieder anfassbarer wird, wenn man es zulässt.

Zur These, dass die Zukunft heute schneller geschieht als das von ihr erzählt wird… Das muss man aufpassen, weil so ein Thema damit einhergeht, dass Kreativität auf einen Sockel gehoben wird und – ich glaube – Reckwitz (Soziologe) in dem Falle vom Kreativitäts-Imperativ spricht und das ist natürlich ein Joch für Menschen, kreativ sein zu müssen und letztlich dann auch zu wollen und das ist – glaube ich – auch nicht klug. Also dieses Prinzio: Wir schaffen das nur, wenn alle kreativ sind.

Zum Thema "Von der Zukunft erzählen"… Ich mache das ja nicht alleine, sondern u.a. mit der Carmen Radeck von RuhrGründer:innen und dem Arne Elias von der Wirtschaftsförderung Dortmund. Auslöser war hier tatsächlich die Frage, welchen Beitrag können wir – die Menschen – im Bezug auf Nachhaltigkeit etc. pp noch leisten? Was uns auffiel, war natürlich, dass wir als Germanisten mit der hermeneutischen Kompetenz, bei der "Entschlüsselung" von Systemen unterstützen könnten. Wie würden wir denn die Akteure, die heute schon etwas machen und wie sie es machen, deuten und interpretieren für eine Gegenwart und Zukunft? Wie wäre es, wenn wir Menschen, die heute schon in ihrem Feld aktivistisch tätig sind, manches Mal aber mit anderen so gar nicht zusammenpassen, tatsächlich zusammenbringen? Im Sinne einer Kollision. Also Menschen zu Themen zusammenbringen. Und wenn wir das dann einmal aufschreiben für eine Stadt oder vielleicht auch für mehrere Städte und da Geschichten aus einer Praxis herausbringen, dann könnte das eine schöne Dokumentation sein, es könnte aber auch – und das ist unsere große Hoffnung – eine Art cokreativen Moment haben, wo Leute anschließend etwas zusammen machen.

Weiterführende Links:

The Black Frame

Digitale Werkbank Dortmund

A. Reckwitz: Die Erfindung der Kreativität

Wikipedia: Learning from Las Vegas

18
A lot of E Commercy... Im Gespräch mit Stefan Zessel, Shopware

A lot of E Commercy

Im Gespräch mit Stefan Zessel, Sales Director bei Shopware

Bezogen auf die Entwicklung von Shopware (als Unternehmen)…

Es ist eine ganz verrückte Reise gewesen bisher. Ich bin jetzt knapp im zehnten Jahr dabei. Als ich angefangen habe, waren bei Shopware um die 20-25 Mitarbeiter dabei und da haben wir einen Jahresumsatz gehabt, wie jetzt in zwei schlechten Wochen. Es ist ohne Ende auseinander gegangen. Aber seit den Zeiten mache ich eigentlich immer dasselbe: Als Director Sales bin ich verantwortlich für die Zufriedenheit unserer Kunden und Partner. Das hat sich nicht geändert. Nur die Anzahl der Menschen im Team, die dabei unterstützen, ist ziemlich gewachsen. Von den anfänglich 20 Leuten sind wir inzwischen bei über 300 Mitarbeitern, die dafür sorgen, dass unsere Kunden gehört und unsere Partner unterstützt werden, die Onlineshops betreuen und dafür sorgen, Deutschland und inzwischen zusätzlich auch Europa zu digitalisieren.

Zu den Veränderungen, die mit der Entwicklung des Unternehmens einhergehen…

Da kann ich Euch zunächst einmal Greiners Curve Modell ans Herz legen. Das ist natürlich eine starke Vereinfachung der Realität, aber da geht es um Unternehmen, die im Wachstum verschiedene Phasen und Krisen durchlaufen. Ich habe mir das durchgelesen und dabei dann gedacht: „O.K. wir haben wirklich schon viele Krisen mitgemacht, aber auch Wachstumsphasen. Unterschiedliche Führungsstile haben wir dabei nicht unbedingt entwickelt, glaube ich. Wir versuchen mit unseren drei Werten: Offen, authentisch, visionär einen möglichst laissez-fairen Führungsstil mit flachen Hierarchien an den Tag zu legen und versuchen unsere Mitarbeiter so zu empowern, dass sie Entscheidungen selbst und dadurch auch schnell treffen können und damit auch den Spielraum haben, aus Fehlern lernen zu können. Vom Führungsstil haben wir nicht viel geändert, aber das Loslassen können, weg vom Micromanagement, die Leute machen lassen, das ist etwas, was wir alle kräftig lernen mussten. Und du hast halt ständig das Thema, das du an Strukturgrenzen kommst.

_Zur besonderen Situation des Münsterlands in Sachen Digitalisierung… _ Uns kennzeichnet der Mut, Dinge einfach anzugehen, auch mal zu stolpern. Die Gründermentalität dahinter, wenn man sich die Vita von dem Tobi Groten von tobit.software als auch die von unserem Stefan Hamann anschaut (Einwurf: „Tobi Groten ist ordentlich älter“), sind beide einfach ins kalte Wasser gesprungen, haben Dinge einfach gemacht und das leben Beide auch noch heute vor. Ich will nicht sagen, das ist typisch fürs Münsterland, aber wir haben auch noch „develop“ und ein paar andere Unternehmen, die auch diesen Geist versprühen. Mut ist der Treiber und nicht Sicherheit!

Zu Veränderungen im Markt und der Shopware Community…

Das ist so. Das ist ein Brett. Aber das ist einer unser Grundwerte und fest bei uns verankert. Vom Quellcode bis hin zur Kommunikation nach außen, zieht sich das quasi durch. Nichtsdestotrotz müssen wir inzwischen in einer Matrix und in Märkten denken, die wir vorher so nicht hatten. Und jetzt ist es tatsächlich auch so: Mit einer. gewissen Größe und Anzahl an Kunden, die in unterschiedlichsten Branchen und Größen unterwegs sind, von notebooks-billiger, die sehr groß und enterprise-lastig unterwegs sind und entsprechende Themen einfordern, bis hin zu einem sehr kleinen Betrieb, der Torten über das Internet versendet. Und das alles immer zu kanalisieren und zu bestimmten Themen auch einmal nein zu sagen, trifft natürlich nicht immer auf Applaus. Das Opportunitätsmanagement dahinter – auch verbunden damit, warum wir etwas nicht machen – bekommst du nur durch sehr transparente Kommunikation transportiert. Und da reden wir gar nicht einmal von Verständnis – das wäre dann schon die Kür – sondern einfach nur von Akzeptanz. Input aus der Community in das Produkt einfließen zu lassen, geht halt nicht immer und passt nicht immer zur Produkt- oder Unternehmens-Strategie.

Zum Thema Corona und Digitalisierung…

Erst einmal sind wir selbst in eine Art Schockstarre gefallen, haben uns dann aber auch sehr schnell gefragt, wie wir helfen können. Als Software-Anbieter liegt es nahe, dass wir Lösungen schaffen. Zum einen haben wir unser Produkt günstig gemacht oder für den Einzelhändler, der sehen musste, wie er seine Lager leer bekommt, eine Zeit lang kostenlos angeboten. Da hat man auch gesehen, dass die Leute gut zusammenhalten, das hat gut funktioniert. Gleichzeitig haben wir ein Projekt namens „Down town“ mit initiiert, bei dem es um eine Art Marktplatz ging, auf den alle Händler einer Kommune – wie beispielsweise Münster – ihre Produkte „raufhauen“ konnten und dann konnten die Kunden dort ihre Beschaffungen machen. Da haben wir versucht zu unterstützen, haben als Softwareanbieter aber gleichzeitig auch von der Situation partizipiert. Für die Händler, die dieses Business vorher verpennt haben, muss aber auch klar gesagt werden, dass es nicht so ist, dass Du mit 1-2 Klicks das E-Commerce Business beherrschst. Das haben wir auch immer klar so gesagt.

Zum Social-Shopping auf Facebook, Instagram & Co. …

Es ist ja nicht nur Facebook und Instagram, es ist WhatsApp, es ist YouTube…eigentlich versucht jeder die Commerce-Funktionalitäten mehr und mehr anzubieten. Die Gatekeeper Funktion wird mehr und mehr dazu genutzt, den Verkauf direkt selbst mit einzubinden. Damit beschäftigen wir uns auch und stellen uns die Frage der Positionierung. Wer nutzt das und wie abhängig bist du dann von diesen Plattformen? Die Frage als professioneller Mittelständler lautet hier: Kannst Du es Dir überhaupt leisten, die Prozesse an dieser Stelle nicht zu ownen und den Finger drauf zu haben? Oder begibst du dich in die komplette Abhängigkeit und sparst dafür einen Teil deiner Marketingausgaben.

Weiterführende Links zu Shopware:

Shopware Website

Shopware Community Day 2021

Shopware TV

17
Digital Thinking Olli und Ralf im Gespräch

Die Digitalen Originale sprechen über Digital Thinking

Ausgehend von der These, dass die Digitalisierungsvorhaben in Unternehmen und bei der „öffentlichen Hand“ sehr häufig schon direkt beim Einstieg an mangelndem Wissen und einer zu hohen, zugrunde gelegten Komplexität scheitern, überlegen Olli und Ralf in dieser Ausgabe, ob sich die Prinzipien des Design Thinking nicht auch auf die Digitalisierung von Prozessen übertragen lassen. Dabei schauen sie zu Beginn auf die im Zusammenhang mit der Pandemie in relativ kurzer Zeit entwickelten App-Lösungen sowie die aktuell viel diskutierte Warnapp Nina und ziehen eine kurze Bilanz. Hier verfestigt sich der Eindruck, dass man – wenn die Not nur groß genug ist – tatsächlich auch in die Umsetzung gelangt und „etwas gebacken bekommt“, während man sich bei allem anderen einfach nur das Hirn zermartert und ohne Ergebnis bleibt. Der eher pragmatische Ansatz, einfach einmal loszulegen und sich auszuprobieren, ggf. zu korrigieren und anzupassen, ist hier eher selten anzutreffen.

Mit Blick auf die jüngste Hochwasser-Katastrophe in NRW, Rheinland-Pfalz und Bayern gerät die Warnapp NINA in den Blick, an deren Funktionalität öffentlich ja auch sehr viel Kritik entbrannt ist. Olli und Ralf verdeutlichen aber auch, wie wertvoll solche Apps heute eigentlich sein können und belegen das zusätzlich mit einem eigenen Projekt aus der Vergangenheit, als sie – gemeinsam mit einem großen Energieversorger – die App „stromausfall“ ins Leben gerufen haben. Die Beiden sind sich darüber einig, dass es unendlich viele Themen gibt, die sich schnell und einfach lösen ließen, faktisch aber gar nicht angegangen werden.

Über diese Beispiele geht es anschließend ins Grundsätzliche. Ralf unterstellt, dass viele Unternehmen bereits deutlich zu komplex bzw. kompliziert an das Thema Digitalisierung gehen und das Vorhaben allzu schnell an technische Überlegungen und Lösungen heften. Nach dem Modell des Design-Thinking ginge es aber doch zunächst viel grundlegender bei der Definition des Problems, dem kreativen Entwickeln möglicher Ideen mit anschließender, konzeptioneller Lösungsfindung los, bevor man sich der konkreten technischen Lösung im Sinne einer Prototypen- oder MVP-Entwicklung widmet. Oliver führt aus, dass dieses Modell in der Praxis nicht zuletzt auch durch die Struktur der unterschiedlichen Dienstleister, die ein Unternehmen zur Unterstützung heranzieht, zum Scheitern verurteilt sei. Ein klassisches IT-Unternehmen steige gar nicht in einer so frühen Phase in das Projekt ein, um einen Ansatz wie Design-Thinking verfolgen zu können, während eine Agentur klassisch auf die „schönen Bilder“ und die Gestaltung beschränkt würde. Außerdem seien sie innerhalb der Unternehmen eher dem Marketing zugeordnet und säßen damit nicht unbedingt dort, wo die zentralen strategischen Entscheidungen getroffen werden. Dort fände man dann vielmehr die klassischen Berater, denen es in vielen Fällen wiederum an der praktischen Expertise fehle. Vor diesem Hintergrund seien dann auch die Bemühungen der einzelnen Gewerke zu verstehen, das fehlende Wissen entsprechend aufzubauen. Dieser Prozess sei allerdings noch im Gange.

Ein Beispiel für die gelungene Umsetzung eines digitalen Prozesses mit hohem Mehrwert liefert das Projekt SNAP der Mitnetz Strom. Hierbei handelt es sich um einen Netzbetreiber, der aus dem Ansatz einer Informationsübersicht über Strom-Einspeisungspunkte eine Anwendung geschaffen hat, mit dem sich der gesamte Antragsprozess zeitlich radikal verkürzen lässt und damit einen echten Mehrgewinn darstellt.

Bei der Digitalisierung fehlt es nach Olli und Ralf noch immer an der nötigen Aufbruchstellung und dem Mut, einfach einmal loszulegen. Hier möchten sie Unternehmen motivieren, sich mit ihren Prozessen und Abläufen kritisch auseinander zu setzen und auf mögliche Potenziale abzuklopfen. Gerne auch mit Unterstützung der Dienstleister ihres Vertrauens, die zumeist den notwendigen Blick von Außen in die Vorhaben tragen, was den Prozess der Lösungsfindung oft deutlich verbessert.

Links zum Thema:

Corona Warn App

Luca App

Warn App NINA

Stromausfall & Co.

SNAP / Mitnetz Strom

Artikel zu Design Thinking

16
Zurück in die Zukunft – Sonderausgabe Im Gespräch mit Dieter von Acken

Sonderausgabe (Länge 60 Minuten)

Im Gespräch mit Dieter von Acken, Tobit.Software

Zu den Anfängen Tobits

Wir sind eigentlich schon seit 1986 auf dem Markt, also sehr, sehr lange für ein IT-Unternehmen, sind aber kein alter Laden, sondern eher Startup. Eigentlich erfinden wir uns jedes Jahr neu. Angefangen haben damals, als Du uns wahrscheinlich kennengelernt hast, noch mit dem Thema Fax. Da hatten wir so eine Lösung, mit der konnte man direkt vom Computer Faxe versenden. Sensationell, weil das gab es damals nicht. Versenden und empfangen, zeitversetzt, termin- und versandoptimiert. Das war damals angesagt. Und dann kam irgendwann das Internet und hat dafür gesorgt, dass diese ganze Art der Kommunikation überflüssig wurde.

Zum Zusammenhang von Tobit und Ahaus

Wir sind hier in Ahaus groß geworden. Bevor es das Internet gab, hat wir verschiedene Niederlassungen in der ganzen Welt, waren weltweit unterwegs und das war eine coole Zeit. Als der Vertrieb über das Internet kam, brauchtest Du das alles nicht mehr und es konzentrierte sich alles auf den Standort. Wir haben uns dann stärker auf den deutschen Markt konzentriert. Irgendwann kam dann das erste, echte Smartphone (2007) und damit dann eine ganz neue Welle und Welt. Und damit entwickelte sich ein neues Produkt, dass wir auch noch heute haben, das heißt Chayns – ein System und eine Plattform – mit der man vieles schaffen kann und mit diesem System digitalisieren wir eigentlich alles.

Zum Einstieg in die Community App Entwicklung

Das war früher eine coole Zeit, da war eine Smartphone App etwas ganz Besonderes und für große und für Hyper-Läden vorbehalten. Da haben wir uns gefragt. Wieso? Wir machen einfach aus Deinem Facebook-Auftritt eine eigene App. Du drückst einfach auf einen Knopf und dann hast Du Deine App hochgeladen in alles Stores. Wir waren phasenweise weltweit der größte App-Hersteller, bis die Stores festgestellt haben, dass da 50.000 bis 100.000 Apps von uns drin waren, die industriell erzeugt wurden und kein individueller Content waren, also löschen wir die. Da haben die uns auf einen Tag 50.000 Apps gelöscht. Von da an haben die dann festgelegt, dass man eine App nur als Developer hochladen kann.

Zum besonderen Tobit Spirit

Wir wollen digital. Wir wollen alles digital. Und da muss man dann einfach auch machen. Man muss manchmal die Augen und Ohren zumachen und einfach da durch. Also nicht hören auf das, was die anderen sagen, sondern einfach selber ausprobieren.

Zum Thema, wie man im Münsterland zu geeignetem Personal kommt

Gar nicht. Das ist ja das Problem. Wir sind nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn sehr gut sehen von hier. Wir sind hier direkt an der niederländischen Grenze, wir haben das Einzugsgebiet Münster, Essen, Dortmund und Düsseldorf, was die Suche nach qualifiziertem Personal erschwert. Also bildest Du selber aus. Und das machen wir von Anfang an. Wir haben jedes Jahr 30-40 neue Azubis, die dann auch alles durchlaufen. Die bleiben dann 2-3 Jahre und dann gehen die woanders hin. Das befruchtet die anderen Unternehmen in der Region, aber das sorgt auch bei uns dafür, dass hier immer so ein Startup Spirit herrscht, dass viele junge Leute da sind, das neue Ideen reinkommen und man gezwungen wird, auch mal wieder anders zu denken und nicht in dem alten Trott zu verfahren.

Über Chayns zu Corona Zeiten

Gerade jetzt in der Corona Zeit haben wir einen sehr guten Draht zur Stadtverwaltung und zum Kreis, weil wir in diesen Zeiten auch eine Möglichkeit geschaffen haben, digitale Testzentren aufzubauen und über Chayns die Termine zu buchen und nachher dann direkt auch den Testnachweis auf sein Smartphone zu bekommen. Das war super und hat Millionen von Tests gebracht. Hunderttausende von Menschen wurden getestet. Alles sehr, sehr einfach, sehr smart, sehr digital. Und mit dem Impfen machen wir jetzt genauso weiter.

Weiterführende Links:

Tobit.Software

Chayns App

Stadt Ahaus

AufHaus

15
Creative Coder Im Gespräch mit Frank Reitberger

Zu seinem Werdegang Ich habe irgendwann in den Neunzigern mal ganz klassisch offline angefangen und zur Gaming-Software gefunden, die damals noch in Boxen verkauft wurde. Dann ging es los, dass in diesen Zeiten auch schon Flash und Director aufgekommen sind. Irgendwer sollte dann Webseiten für diese Spiele bauen und das am Besten in Flash. Also habe ich mich in dieses Thema eingearbeitet und bin dann auch – weil es mit gut gefallen hat – lange Zeit bei diesem Thema geblieben. Irgendwann später, als dann klar war, dass Flash tot war, habe ich mich – das war 2009 – dann auf WebGL gestürzt, was damals noch eine sehr experimentelle Technologie war. An der Ecke bin ich dann geblieben.

Über den Anteil seines kreativen Potenzials in den Projekten Das ist immer so stark, wie man mich lässt. Es gibt Agenturen, mit denen ich zusammen arbeite, die haben den Anspruch, dass ich da mitarbeiten darf und soll und es geht auch, dass im Grunde schon alles fertig ist und egal, welche Idee Du hättest, kann diese nicht mehr umgesetzt werden, da dem Kunden schon ein fertiges Konzept vorgesetzt wurde.

Über 3D Coding Ich bin in die 3D Welt über die Demoszene gefallen, indem man sich angeguckt hat, wie eigentlich 3D gecodet wird und was man alles über die Vorgaben in der Demoszene alles machen kann. Wie die Effekte gebaut werden können, da gibt es bis heute eine rege Community und so bin ich über diese Wege eigentlich schon recht früh in die Programmierung reingekommen. Und eben immer wieder auch beim Selbstversuch, was man aus der Programmierung noch mehr rausholen kann.

Über die heutige Rolle von Frontend-Design und WebGL Es hat sich in den letzten zwei Jahren sehr stark gewandelt, von der Berechtigung nicht mehr nur in Konfiguratoren, wo es in den letzen 4-5 Jahren schon eine gute Anwendung gab, hin in die Welt von AR, die zunehmend in die Kundenwelt "schwappt" und man merkt, dass man sein Produkt mit AR mitten in den Raum platzieren kann. Kunden versuchen immer mehr ihre Produkte, sei es nun ein Helm oder ein Schuh, wirkungsvoll mit WebGL in Szene zu setzen. Und da gibt es eine sehr große Berechtigung.

Zu Corona und den virtuellen Messen Das Thema Corona ist so ein bisschen Fluch und Segen zugleich. Ich hätte mich im letzten Jahr bei der Vielzahl der Anfragen klonen müssen, um die alle bedienen zu können. Das ist natürlich eine luxuriöse Situation, weil man sich dann aussuchen kann, was man wirklich machen möchte.

Auf der anderen Seite habe ich bemerkt, dass es auf der Kundenseite wahnsinnig viele Schnellschüsse gab. Nach dem Moto: Wir haben ja noch Budget und wir hätten eigentlich eine Messe gehabt, lass' uns die doch online stattfinden. Und die Krux dahinter ist, dass viel zu wenig Zeit hinter einem riesigen Budget steht und viele nur das Geld sehen aber nicht berücksichtigen, dass man davon in 3-4 Wochen nichts richtiges bauen kann. Oder das es im Grunde kein richtig gutes Konzept gibt und nur gesagt wird, dass wir jetzt irgendetwas digitales machen müssen. Das wird dann wahnsinnig blauäugig auf die Beine gestellt, ohne sein Tun hinsichtlich des Konzepts wirklich zu hinterfragen. Und das ist so meine Krux in den zurückliegenden Monaten gewesen, frühzeitig zu erkennen: Wo sind die faulen Eier?

Link: Prinzipiell Studio

14
Feuer & Flamme für BBQ Im Gespräch mit Tobias Dannappel

Unter dem Motto: "GrillKonzept – das ist Feuer, Rauch und Erlebnis pur." betreibt das Team um Tobias Dannappel seit 2013 Deutschlands erste Premium Grill Agentur. Leidenschaftlich entwickeln sie individuelle Konzepte – vom exklusiven Grillkurs bis zum europaweiten Firmenevent und wollen dabei unvergessliche und nachhaltige Grillmomente bieten. Dass die Story aufgeht, unterstreichen rund 450 bestens gebuchte Veranstaltungen, die an den mittlerweile vier Standorten oder auch bei den Kunden vor Ort durchgeführt werden.

Wir haben mit dem Gründer Tobias Dannappel über seine kreativen Wurzeln im Agenturgeschäft, die Entwicklung seines heutigen Unternehmens sowie über das Unternehmertum im Allgemeinen gesprochen und sind dabei auf einen sehr wachen Geist gestoßen, der auch schnell und konsequent anzupacken versteht. Prädikat: Extrem hörenswert!

13
Keine Regeln – Warum Netflix so erfolgreich ist reagieren auf Buch von Reed Hastings & Erin Meyer

Keine Regeln – Warum Netflix so erfolgreich ist

Reed Hastings beschreibt in seinem – gemeinsam mit Erin Meyer verfassten – Buch die erfolgreiche Entwicklung von Netflix und liefert Gründe für die damit verbundenen Ursachen. Zentrales Thema hierbei ist vor allem die Organisation des Unternehmens und die Mitarbeiterführung.

Erhöhung der Talentdichte Ein optimales Umfeld für leistungsstarke Mitarbeiter definiert sich weniger über das organisatorische Umfeld und mögliche Benefits als über leistungsstarke Kollegen. Mit der Erhöhung der Talentdichte erhöht sich auch die Leistungsfähigkeit des gesamten Teams, während einzelne "Störenfriede" oder nur "durchschnittliche" Kollegen das Ergebnis einer ganze Gruppe negativ beeinflussen können.

Das Ziel laut Hastings muss also darin liegen, sich von diesen Mitarbeiter konsequent zu trennen um in Summe die Talentdichte im Unternehmen zu erhöhen.

Maximale Offenheit / Feedback Kultur Mitarbeiter sollen immer offen und direkt aussprechen, was sie denken, dabei aber eine positive Grundhaltung an den Tag legen, um das Gegenüber nicht zu verletzten. Sie sollen den Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gehen und Differenzen in den Ansichten bzw. in der Vorgehensweise offen klären. Mit der Einführung einer offenen Feedback-Kultur erhöht sich die Leistungsfähigkeit des Unternehmens insgesamt ("Sage über einen Kollegen und Mitarbeiter immer nur das, was Du ihm auch direkt ins Gesicht sagen würdest"). Hastings Gegenfrage auf kritische Einlassungen zu Kollegen lautet: "Was hat diese Person gesagt, als sie ihr das ins Gesicht gesagt haben?"

Die Etablierung einer Feedback-Kultur entwickelt sich in einem Unternehmen idealerweise von "unten nach oben". Wichtig dabei ist es, dass sich der Feedback-Empfänger anschließend beim Feedback-Geber bedankt und dabei das Gefühl der Zusammengehörigkeit (Gemeinschaftsinteresse) betont .

Feedback geben sollte immer von dem Gefühl getragen sein, den anderen durch das Feedback zu unterstützen und ihn besser zu machen. Es sollte nicht von persönlichen Interessen geleitet sein oder Dinge anführen, die vom Feedback-Empfänger nicht verändert werden können.

Das Annehmen von Feedback sollte immer wertschätzend erfolgen. Man nimmt es entgegen, bedankt sich dafür und verzichtet auf Einwände und Verteidigung. Die Frage, ob man das Feedback akzeptiert oder ablehnt, liegt dann wiederum alleinig beim Empfänger.

Feedback soll immer und überall gegeben werden. Es spielt dabei keine. Rolle, ob es Face-to-Face hinter verschlossenen Türen oder öffentlich im Kreis mit anderen erfolgt. Der Maßstab aber sollte sein, dass es dem Empfänger weiterhilft (und man ihn nicht "vorführt"). Vor diesem Hintergrund gilt eine weitere Empfehlung, nach der man "geniale Kotzbrocken" – dem Vernehmen nach Mitarbeiter mit einem extrem hohen Leistungsvermögen, aber mangelnder Empathie anderen Kollegen gegenüber – aus dem Unternehmen aussortieren sollte, wenn sie als solche identifiziert und auffällig werden.

Freiheit / Verantwortung Damit Mitarbeiter ein Gefühl von Verantwortung für die Unternehmung entwickeln können, benötigen sie nach Sicht von Reed Hastings auch ein Höchstmaß an Freiheit. Vor diesem Hintergrund hat Netflix sowohl die Urlaubsregelung, wie auch die Prozesse bzgl. Reisenkosten, Spesen und Beschaffung gekappt. Unter der Devise "Entscheide im besten Sinne von Netflix", sind die Mitarbeiter angehalten, hier entsprechend eigenverantwortlich zu agieren. Vorteile für das Unternehmen sind eine größere Bindung an das Unternehmen, das Mitdenken in strukturellen Fragen und schnellere Entscheidungen. Denkbares Fehlverhalten wird dagegen drakonisch bestraft. Entsprechend werden die Entscheidungen der Mitarbeiter immer wieder kontrolliert und bewertet und ggf. auch gegenüber dem Mitarbeiter hinterfragt.

Bezahlung Beim Thema Gehalt agiert Netflix entsprechend der strategischen Marschrichtung, eine maximale Talentdichte zu schaffen bzw. die besten Mitarbeiter zu beschäftigen. D.h. in der Konsequenz werden die Mitarbeiter nach ihrem aktuellen, persönlichen Marktwert bezahlt oder – entsprechend ihres Wertes – auch ein wenig darüber hinaus. Der Marktwert wird dabei durch den Mitarbeiter selbst, seinen Vorgesetzten und den Markt (in Gestalt qualifizierter Personalvermittler) taxiert. Netflix ermutigt Mitarbeiter das Gespräch mit "Headhuntern" zu führen und ein Gefühl für den eigenen Martwert zu entwickeln.

Damit wollen wir es an dieser Stelle erst einmal bewenden lassen. Das Buch selbst bietet noch eine ganze Reihe weiterer Aspekte und Praxisbeispiele, die der Auseinandersetzung wert sind, das würde hier aber dann zu weit führen.

Weiterführende Links:

Netflix

Buchtitel bei Amazon

Hörbuch bei Audible

12
Wenn Design die Seite wechselt Im Gespräch mit Vanessa Macholz

_Zur Person _Hat ganz klassisch als Mediengestalter begonnen, dann Grafik & Design bis zum Master studiert und war acht Jahre lang selbstständig tätig, um vor knapp drei Jahren dann als AD zum bemerkenswerten Startup img.ly zu wechseln. Auf diesem Weg hat sie insbesondere auch den Wandel vom klassischen Editorial-Design hin zum Digitaldesign vollzogen.

_Zur Meetup-Kultur bei img.ly / 9elements _Ein Ziel, dass wir mit unseren Meetups verfolgen ist, den Leuten den Zusammenhang zwischen Technik und Design klarer zu machen. Wie krass das ist. Wie wichtig das ist und das Designer auch lernen, sich dafür zu öffnen. Und wir wollen dann auch Leute zu uns holen, die ihr Wissen teilen, so dass man im besten Falle hinterher eine kleine Community hat, in der man voneinander lernen kann.

_Zum Unterschied von klassischem und digitalem Design _Beim klassischen Design – finde ich – ist es so, dass man in seinem Kämmerchen still so für sich arbeitet. Man bekommt einen Auftrag, man versucht das für sich auszutüfteln und präsentiert das dann am Ende dem Kunden. Wenn man digitale Projekte bearbeitet, dann ist es häufig so, dass da mehrere Leute an einem Projekt arbeiten, weil man mehrere Leute braucht, die verschiedene Dinge können und dadurch ist der. Austausch viel schneller und besser. Man zeigt seine Sachen viel schneller, man tauscht sich schneller dazu aus und kommt so auch auf viel bessere Ideen. Die grundsätzliche Einstellung und Denkweise ist da anders.

_Zum Thema Pixelart _Was soll ich sagen? Ich komme ja auch ein bisschen aus der Generation „Nintendo Gameboy“, wo auch Sachen tatsächlich noch immer pixelig waren. Pixelart gibt es ja schon unglaublich lange und das, was ich ich da zuletzt an Pixelart gemacht habe, ist auch eher aus Zufall entstanden. Mit dem, was wir bei img.ly machen, schauen wir uns auch immer die aktuellen Trends im Design an…und dabei ist herausgekommen, dass Pixelart ja auch in der ganzen Krypto- und NFT-Szene gehypt wird.

_Zum Startup img.ly _img.ly ist eigentlich noch immer ein Startup. Uns gibt es seit einigen Jahren und wir sind eine Ausgründung von 9elements. Unser Hauptprodukt ist der Fotoeditor als SDK, das ursprünglich ein Projekt von 9elements war. Das ist so gut gelaufen und hat so großen Anklang gefunden, dass man sich sagte: O.K. Dann machen wir da ein ganz eigenes Geschäft draus. Ich bin jetzt seit ungefähr drei Jahren dabei. Wir haben Kunden wie Disney, HP und Amazon und in Summe 300 oder 400 Kunden. Und das Produkt bauen wir jetzt weiter aus, beispielsweise in einen Videoeditor SDK. SDK steht dabei für Software Developer Kit. Firmen wie amazon kaufen das ein und können es dann in ihren Produkten einsetzen. HP benutzt das Kit direkt in ihren Druckern. Unser nächster Schritt ist, dass wir versuchen, das noch weiter auszubauen, so dass wir jetzt nicht nur Foto- und Videobearbeitung haben, sondern das wir das noch einmal mit einem Layout-Tool vereinen. Eigentlich wollen wir also Indesign und Photoshop zusammenbringen und besser machen.

_Zur Startup-Szene Ruhrgebiet _Bei img.ly sind wir ja sehr international unterwegs und auch gar nicht unbedingt an Bochum gebunden. Trotzdem wollen wir hier nicht weg. In dem ganzen Jahr mit Corona haben wir die Arbeitsweise etwas geändert und setzen jetzt auf „flexible Work“ oder „remote first“, wie auch immer man das nennen möchte. D.h. auch wenn Corona vorbei ist, muss jetzt keiner mehr ins Büro kommen. Jeder kann arbeiten, wo und wie er möchte. Und wir stellen mittlerweile Leute aus der ganzen Welt ein. Wir haben jemanden aus Kanada, aus der Ukraine und das funktioniert alles super gut. Aber trotzdem sagen wir, unser Headquarter soll in Bochum bleiben. Wir sehen, dass das gerade super cool für diese Region ist. Ich habe immer den Eindruck: Bochum und das Ruhrgebiet ist so ein bisschen wie Berlin früher. Hier passiert gerade total viel und ich finde auch, dass sich die Szene hier untereinander gut vernetzt, wie beispielsweise mit der Design Metropole Ruhr, die bringen ja auch viele Leute zusammen. Ich bin also voll für diese Region. Hier hat man noch das Gefühl, man kann etwas verändern, man kann was Neues machen und ist nicht so sehr einer von vielen.

Weiterführende Links:

Vanessa Macholz IMG.ly 9elements

11
Klick. Klick. Glück. Im Gespräch mit dem Fotografen Svenson Linnert

Zur Person Svenson Linnert ist als Fotograf und Produzent in der Werbe- und Unterhaltungsbranche, im Bereich Socialcontent sowie in der Musik und Mode unterwegs. Noch ganz klassisch ausgebildet, war er lange Zeit als Assistent in London und Paris unterwegs, bis er schließlich sein erstes eigenes Studio in Düsseldorf eröffnete und seitdem für unterschiedlichste Klienten rund um den Globus aktiv ist. Svenson ist an vielen Orten auf der Welt zuhause und lebt aktuell vornehmlich auf Zypern und arbeitet unter „Svenson Pictures“ und „Smiles & Coffee Productions“ zudem auch von Paris und Berlin aus. Große Neugierde und eine tiefe Leidenschaft für die Fotografie prägen seinen Charakter, wie auch seine Arbeiten. Und natürlich eine enorme Schaffenskraft und Freude am Tun.

Aus dem Podcast

Zur Ablösung der analogen Fotografie Das Spannende war ja damals: Mit dieser ersten digitalen Ausrüstung haben sich ja fast alle übernommen. Die haben alle geglaubt, sie müssten gleich einsteigen und haben sich für 20.000 bis 25.000 EUR da irgendwas gekauft. Und dann haben die alle noch nach dem alten Verständnis agiert, dass man sich so eine Kamera für 25 Jahre kauft – wie so eine alte Rollei, die man damals so hatte – also: einmal gekauft, ewig benutzt und dann waren diese teuren Kameras (nach vergleichsweise kurzer Zeit) schon wieder out-of-date, also kaum noch verwendbar.

Zum Unterschied des Fotografierens 2004 gab es die ersten digitalen Kameras, die ich mir auch leisten konnte. Davor habe ich noch ganz munter auf Dia fotografiert und das hat Spaß gemacht, war aber auch „challenging“ … weil, Du musstest es schon können. Ich meine, wir hatten auch schöne Sachen, wie z.B. Cliplisten, wo du so alles eingetragen hast, wie was mit welchem Film passiert ist und was im Labor damit weiter passieren soll. Dann auch diese Polaroids, die du immer zum Kontrollieren gemacht hast, nicht nur, ob das Licht stimmt, sondern auch, die du dem Kunden gezeigt hast und wo dieser dann gesagt hat: Jau, ist gut oder nicht gut. Und das konnte man sich auch abzeichnen lassen und dann war man save. Aber letztes hast Du das entschieden und nicht jemand, der vier Meter entfernt am Bildschirm guckt und sagt: Kannst aufhören abzudrücken, wir haben das jetzt.

Zu den sich ändernden Abläufen Du hast heute viel mehr Leute aus dem Content Kreation Bereich dabei, wo Du für zig verschiedene Formate, wie Social Media, die digitalen Formate wie Shops und anderes mit produzieren musst. Das hat sich inzwischen eingespielt, weil das Shooting an sich ein anderes geworden ist. Bei diesen digital angelegten Shootings setzt man sich hin und macht einen Schlachtplan. Das war ja auch der Grund warum ich vor einigen Jahren eine Produktionsfirma gegründet habe. Da habe ich gemerkt, man muss schon – wenn es gut werden soll – schon ein Stück weit von Anfang an eingebunden werden. Nicht unbedingt bei der Konzeption, also bei der Ideenfindung, aber bei der Frage, wie man es nachher umsetzt.

Zum Blitzen beim Shooting Mittlerweile blitze ich nicht mehr so viel. Mittlerweile sind die Chips so gut und empfindlich geworden, dass du gar nicht mehr so viel Lichtpower brauchst. Bei den ersten Digitalkameras musstest du ordentlich auf den Chip hauen, damit überhaupt etwas vom Licht übrig blieb. Heute ist der Blitz fast weg. Du musst schon beim Blitz kaufen darauf achten, dass man den möglichst klein regeln kann.

Zur Frage, wo ihm die Digitalisierung hilft Beim Marketing, bei der Außenwirkung hilft es. Bei der Fotografie an sich natürlich die Sicherheit, dass du weißt, was du hast. Damals war es ein wenig aufregender, aber natürlich tut es auch ganz gut, wenn man weiß, das Ding hast du sicher im Kasten.

Zu Instagram und dem Thema Selbstinszenierung Die spannende Frage ist ja: Was machen wir in Zukunft? Wollen wir einfach nur Märkte bedienen oder wollen wir irgendwie inspirierend wirken? Ich muss sagen, dass das, was ich innerhalb der sozialen Medien und innerhalb dessen, was Influencer machen, bevor sie eigentlich Influencer werden, beobachte, inspirierender ist, als das, was ich in der angewandten Fotografie für Labels oder Brands sehe. Es gab ja schon vor zwei Jahren die ersten Stimmen, die sagten, Influencer-Marketing ist tot, da ist keine Glaubwürdigkeit mehr … ich glaube aber, das ist gerade erst im Beginnen, weil es jetzt erst beginnt, organisch zusammen zu spielen. Die Werbung wird sich im Ganzen wandeln, tut sie auch schon. Gleichzeitig bleibt sie aber auch so ein Dinosaurier. Das was wirklich relevant wird, ist das, was in Sozialen Medien passiert, wie die Darstellung von Personen, Brands und Labels dort vonstatten geht, weil das mit einer anderen Wahrnehmung gekoppelt ist. Von einem sozialen Profil hin zu einer sozialen Identität.

Links:

Svenson Pictures Smiles & Coffee

10
Ein Jahr Homeoffice Digitale Originale ziehen Bilanz

Ein Jahr Homeoffice – Fluch oder Segen?

Das ganze Thema "Digitale Kommunikation" ist für uns nicht ganz neu, weil wir schon immer – also seit inzwischen zehn Jahren – auch einen Standort in Dresden hatten und mit diesem nie anders kommunizieren konnten.

Neu ist die Menge der Zeit, die man zuhause bzw. alleine zuhause verbringt. Man arbeitet sehr viel konzentrierter, man macht Meetings und agiert damit sehr viel zeitgenauer und ist in der Einhaltung der Termine sehr viel konsequenter. Nachteil ist: Es fehlt der persönliche Austausch, insbesondere der Non-Verbale.

Man muss schon sehr viel mehr und deutlicher miteinander sprechen. Dort, wo sonst schon mal ein Blick oder eine Geste reicht und die Dinge in der Agentur dann ihren Lauf nehmen, kannst Du Dich im Homeoffice gefühlt auf nichts verlassen. Und das liegt gar nicht mal an dem fehlenden Willen der Beteiligten, sondern daran, dass hier ein ganz wichtiges Kommunikationsmittel fehlt.

Das "Fehlbriefing" ist da ein ganz neues Thema. Hier muss man sehr viel genauer agieren, um mögliche "Reibungsverluste" zu vermeiden.

Es gehört auch eine gewisse "Fürsorge" gegenüber den Mitarbeitern dazu. Menschen, die bereits in der Agentur zu den eher "stillen Typen" gehören, werden auch im Homeoffice nicht lauter. Sie werden eher noch stiller.

Wie steht es um die eigene Auffassung dazu, was man im Homeoffice leistet oder nicht leistet? Viele Mitarbeiter scheinen dazu zu tendieren, die eigene Arbeitsleistung im Homeoffice geringer wert zu schätzen als am Arbeitsplatz. Man verfügt selbst über seine Arbeitszeit und bei kleinen Pausen o.ä. wird man sehr viel schneller von einem "schlechten Gewissen" geplagt.

Privat und Beruf können im Homeoffice nicht mehr wirklich gut voneinander getrennt werden. Die Zeiteinteilung wird hier eine ganze andere, also nicht mehr klassisch von 09.00 bis 18.00 Uhr, sondern so, wie es in den gesamten Tag passt. Hauptsache, die geplante Arbeit ist am Ende des Tages erledigt. Und man neigt dazu, im Homeoffice sehr viel mehr zu arbeiten.

Das Thema Worklive-Balance ist heute für HR eigentlich gar kein Thema mehr, weil es etwas ist, dass man so oder so in seinem gelebten Homeoffice-Alltag geregelt bekommen muss. Dagegen muss man manches Mal sogar feste Punkte ziehen und Rituale entwickeln, um beiden Seiten des Lebens gerecht werden zu können.

Der direkte Austausch, das Rumalbern mit den Kollegen fehlt dann doch und können auf digitalem Wege auch nicht gleichwertig ersetzt werden. Trotzdem ist man dadurch nicht unkreativer. Was allerdings nicht kompensiert werden kann, ist der kreative Austausch, wie er beispielsweise sonst in Brainstorming-Runden entwickelt wird.

Im Zuge des ersten Lockdowns hatten wir auch unseren ersten Online-Pitch mit einem Kunden, der eher einem "Rohrkrepierer" gleichkam, weil man sich nicht auf alle Beteiligten einlassen konnte und schlimmer noch, nicht einmal alle Beteiligten kannte und in dem Call zu Gesicht bekam. Und so scheiterte am Ende ein Vertriebsprojekt, das man zuvor mit dem Projektleiter auf Kundenseite schon sicher "eingetütet" zu haben schien.

Persönliche Bindungen innerhalb der Agentur drohen im Homeoffice eher ein wenig auf der Strecke zu bleiben und funktionieren nur über konkrete Verabredungen. Dennoch bleibt die Bindung insgesamt auch in dieser Struktur erstaunlich stabil und funktioniert sogar außerhalb der reinen Arbeit. Wir haben im letzten Jahr unsere Weihnachtsfeier – mit ein wenig Skepsis – gemeinsam via Teams miteinander verbracht und wir hatten einen extrem coolen Abend – eigentlich wie immer – bis 02.00 oder 03.00 Uhr morgens. Es war ein lustiger, abwechslungsreicher und unterhaltsamer Abend. Aber so was entwickelt sich nicht einfach spontan, sondern muss auch vorbereitet werden.

9
Form follows function? Im Gespräch mit Cihan Tamti

Zum eigenen Werdegang: In erster Linie noch Student an der FH Dortmund und meine Story ist eigentlich so, dass ich mir gedacht habe: Ich habe ein langweiliges Portfolio und langweilige Kunden und das muss sich ändern. Daraufhin habe mich meinen Socialmedia-Account als kleines Fitness-Center für Grafik betrachtet und habe dort nur gemacht, worauf ich Lust hatte… durch dieses Schaufenster, was dort entstanden ist, habe ich meine Kunden gewonnen.

Zu Form follows function Ich sehe hier immer zwei Ebenen, von denen eine extrem vernachlässigt wird. Es gibt die funktionale Ebene, die Benutzerfreundlichkeit wird durchdacht, man hat ein gewisses Leitsystem … und die zweite Ebene ist aber auch die formale Ebene, wenn die Dinge eine gewisse Ästhetik nicht haben, eine Vertrautheit erzeugen, funktioniert es trotzdem nicht. Man wohnt ja auch nicht in einem Bunker, man will ja trotzdem eine Wandfarbe haben, die den Raum größer oder kleiner macht. So sehe ich das mit "form follows function": Form ist echt wenig da, function aber viel.

Cihan Tamti

8
Dortmund Kreativ Im Gespräch mit Jan Wittkamp und Marc Röbbecke

Dortmund Kreativ Im Gespräch mit Marc Röbbecke und Jan Wittkamp

Marc ist seit Oktober 2019 bei „Dortmund Kreativ“ und kümmerst sich dort um die Designwirtschaft und die Sichtbarmachung von Design im Stadtraum. Mit dem zweiten Hut ist er nach wie vor bei „Heimatdesign“ und der „Design Metropole Ruhr“.

Jan ist seit September 2019 dabei und war zuvor mehrere Jahre bei der Dortmunder Agentur Neovaude aktiv. Er hat dort u.a. das OpenAir Kino und die Cityring-Konzerte begleitet.

Was verbindet Ihr mit Dortmund Kreativ und wen wollt Ihr konkret ansprechen?

Dortmund Kreativ gab es bereits früher einmal und wir haben es jetzt quasi reanimiert. Früher war es eine Art Ausstellungsreihe und ein Veranstaltungsformat für kreative Trends. Unsere Stelle heißt ja eigentlich „Stabsstelle Kreativ Quartiere“ und kümmert sich um die ganzen Kreativ Quartiere in Dortmund. Da ist alles irgendwie drin, von der Musikwirtschaft bis zum Verlagswesen, aber auch Designwirtschaft und die Künste. Aufgabe ist es heute, den Stadtraum mit Designthemen zu bespielen und das Thema „neue Urbanität“ – was aktuell etwas schwierig ist – für uns zu erobern. Hier schauen wir, wie wir mit kleinen Mitteln und unserem Netzwerk schöne Inszenierungen gestalten und eine Wiedererweckung von Flächen herstellen können.

Zur aktuellen Situation für Kunst und Kultur

Die ganze Corana-Lage ist eine Situation, die man schlussendlich nicht lösen kann. Das betrifft momentan alle Kreativen und Kulturschaffenden. In dieser Zeit ist es total wichtig, erst einmal miteinander zu sprechen und vielleicht auch so etwas wie Online-Formate anzubieten oder auch zu nutzen, um mal zu besprechen, wie man da wieder rauskommen kann. Es gibt hier leider keine allgemeinen Lösungen. Das Beste wäre natürlich, wenn wir einen Geldkoffer hätten, den wir bei allen Künstlern und Kreativschaffenden vorbei bringen könnten. Alternativformate haben wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten auch überlegt, da ging es darum, etwas aus dem analogen in die digitale Welt zu transformieren, um damit andere Erlösquellen zu generieren.

Zur Dortmunder Agenturszene und Kreativwirtschaft

Es gab ja gerade auch Zahlen dazu mit dem Tenor, dass Dortmund im Bereich der Kreativwirtschaft deutlich zugelegt hat, auch was die Zahl der Gründungen betrifft. Wir fanden aber auch immer, dass Dortmund eine recht große Szene hat, die aber deutlich entspannt wirkt und in der es keinen Mega-Profilierungsdruck gibt. Wenn man sich da bei Veranstaltungen trifft, dann ist da kein Neid, kein komisches Verhalten, sondern die sind nett, trinken ein Bier zusammen und fühlen sich wohl. Was man aber gerade deutlich merkt ist, dass in Dortmund gerade sehr viele Agenturen aus dem Bereich junges Marketing und Socialmedia Marketing entstehen. Das finde ich sehr interessant.

Zur Ausbildung an der Dortmunder Fachhochschule

Wir haben auch bereits festgestellt, dass das, was die kreativen Agenturen jeden Tag bedienen, nämlich ihr Telefon und ihre Apps, nicht unbedingt den Wunsch weckt, diese auch zu gestalten oder die Ideen dahinter zu gestalten. Das finden wir eigentlich sehr schräg, weil genau das ist ja das Kommunikationsmedium schlechthin gerade.

Zur Zukunft des Designs

Das sagen ja viele Agenturen, beispielsweise Sebastian Deutsch von „9Elements“ oder die Jungs von „the imagy“ die arbeiten ja auch mit solchen Modulen, mit denen man sozusagen ein paar Sachen mal abkürzen kann als Designer. Das wird auf jeden Fall ein großes Thema werden in den nächsten zehn Jahren, da muss man dann gucken, was man macht als Designer. Ich denke, dass Beratung oder die Planung, etwas, wo man mitdenken muss, sehr viel interessanter ist, als das Spationieren von Zeilen, das kann dann die Maschine irgendwann übernehmen.

Dazu warum entwickelt sich im Ruhrgebiet keine Jung von Matt oder ähnlich entwickelt

Wir glauben, woran es ein bisschen liegt ist, dass keiner hier so wirklich Erfahrung in Mediaservice Agentur Arbeit hat, die Budgets in die verschiedenen Kanäle zu buchen und zu spielen. Da gibt es irgendwie keinen Korrespondenten im Ruhrgebiet, der das kann. Wenn man das hier hätte, dann könnte man auch größere Budgets mal verwalten, weil dann wäre auch das Vertrauen da.

LINKS: Dortmund Kreativ

9Elements

TheImagy

7
Wie asozial ist Social Media? Digitale Originale reagieren auf...

Über die Bedeutung und den immensen Einfluss sozialer Netzwerke zerbrechen sich viele Experten schon lange den Kopf. In Zeiten von Corona und politischem Despotismus erfährt diese Diskussion allerdings noch einmal eine ganz neue Qualität. Grund genug, einmal kritisch darüber nachzudenken, was Socialmedia eigentlich für die Zukunft unseres gemeinsamen Miteinanders bedeutet.

Inzwischen dürfte kaum noch jemand der Meinung sein, dass wir frei darüber entscheiden können, was uns auf den von uns genutzten Kanälen präsentiert wird. Tatsächlich haben wir schlicht jede Kontrolle darüber verloren und müssen damit leben, dass Twitter, Facebook und Co. entscheiden, was und wen wir wann zu sehen bekommen.

Tatsächlich sind es inzwischen auch zunehmend die Protagonisten selbst – seien sie nun natürlichen oder auch künstlichen Ursprungs (Bots) – die sich zu einer gesellschaftlichen Herausforderung mit weitreichendem Gefährdungspotenzial entwickeln.

Weiterführende Links und Quellen:

ORÖ-Artikel: Wie asozial ist Social Media?

NZZ vom 22.01.2021

Tagesspiegel vom 16.02.2021

FAZ vom 27.09.2020

6
Gestern Kundenmagazine, morgen Clubhouse? Gespräch mit Sandra Köhler, E.ON
  • Wandel in der Kommunikation. Die klassischen Medien erreichen nicht mehr länger die Reichweiten der Vergangenheit und neue Kanäle wollen bedient werden.

  • Energieversorger stehen vor der Herausforderung, nicht unbedingt ein Lovebrand zu sein und bieten keine selbsterklärenden Produkte mit hoher Sogkraft an.

  • Kunde beschäftigt sich gerade einmal 15 Minuten im Jahr mit seinem Energieversorger

  • Mit "Smart home" und "eMobility" kommen jetzt aber neue, anfassbare Produkte in den Markt, die das Bild ein wenig verändern können.

  • Die Erwartungshaltung – vor allem bei der jungen Zielgruppe – ist inzwischen eine ganz andere. Da sind digitale Services gefragt und mit einer schlecht gemachten App gibt sich niemand mehr zufrieden.

  • Der Telekommunikationsbranche ist es sehr viel besser gelungen, einen Lovebrand zu schaffen, was insbesondere auch an den dort eingesetzten Produkten liegt.

  • Strom ist nicht anfassbar, weshalb das Produkt gleichermaßen unter einer Nichtsichtbarkeit bei den Kunden leidet.

  • Auf eigene Startups setzen, die als Schnellboote am Konzern vorbei agieren und damit neue Impulse setzen können.

  • Aktuelle Themen der Energieversorger sind „Smart Poles“, d.h. z.B. intelligente Straßenlaternen, die Autofahrern freie Parkplätze in der City anzeigen können. Oder das Thema Ausbau der eMobility Infrastruktur inkl. aller begleitenden Themen wie sicheres und komfortables Bezahlen, die Kopplung an Smart-Devices über Apps und der Ausbau der Multifunktionalität bei Solarbedachungen, mit denen sich etwa auch Batterien wiederum laden lassen.

  • Sind auf zahlreichen Socialmedia Kanälen unterwegs und kommen zunehmend besser in den Dialog mit den Kunden. Die Herausforderung besteht darin, unter Berücksichtigung der grundsätzlichen Informationsüberflutung ein relevantes Thema zu identifizieren und zum richtigen Zeitpunkt in das nur kurz geöffnete Aufmerksamkeitsfenster der Nutzer zu spielen.

  • In der heutigen Kommunikation wird es immer wichtiger authentisch zu sein. Aber das ist gar nicht mal eine Frage von Jung und Alt, denn die Gruppe 50+ weist eine viel größere Internetaffinität auf als man denkt. Es ist nur die Frage, in welchen Kanälen diese sich aufhält.

  • Es bestehen Ansätze, das Produkt über Co-Branding Kampagnen und Services attraktiver zu machen. Das ist z.T. auch erfolgreich, bleibt aber dennoch eine schwierige Herausforderung.

  • Der Wille zum Wechsel des Stromanbieters ist auf Seiten der Kunden nach wie vor eher schwach ausgeprägt.

5
Gesucht wird das "Springer & Jacoby" des Digitalzeitalters Digitale Originale reagieren auf "Volker fragt..."

Vorweg erst einmal herzlichen Glückwunsch an David+Martin zur Auszeichnung durch die W&V und das eindrucksvolle Feedback aus der Agenturszene! Wer so geehrt wird, muss zweifelsohne einiges richtig machen…

Grund genug, noch einmal auf das Interview der Gründer bei "Volker fragt" mit dem Horizont Chefredakteur Volker Schütz zu schauen. Und sich gedanklich mit der einen oder anderen These des Trios auseinander zu setzen.

Fehlt es deutschen Agenturen an Mut? Oder an Originalität? Oder gar an Haltung? Fragen, die uns als Agentur natürlich auch beschäftigen und von deren Antworten im Zweifel auch die Arbeitsergebnisse und Kommunikationsmittel der Kunden von Agenturen abhängen können.

Wir sind davon überzeugt, dass sich Agenturen deutschlandweit im Wandel befinden und zum Teil auch neu erfinden müssen. Ob sie sich dabei allein auf ihre Kreativität verlassen können, erscheint uns zumindest fraglich…

Worauf wir in unserem Podcast reagieren:

VOLKER FRAGT Wo bleibt das Springer & Jacoby des Digitalzeitalters?

Die Protagonisten:

Horizont David+Martin

Springer & Jacoby in Wikipedia

Jung von Matt

Hinweis zur aktuellen Ausgabe: Im Eifer des Gefechts haben wir in unserem Podcast Lorbeeren verteilt, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben… dafür möchten wir uns entschuldigen! Die angesprochene, fantastische BVG Markenkampagne stammt natürlich nicht – wie behauptet – von Dojo, sondern vielmehr aus der Feder von Jung von Matt. Allerdings zeigen auch viele Arbeiten von Dojo Berlin, dass die Begriffe Originalität und Agentur auch in unserem Lande ab und zu gut miteinander können. ;-)

4
Digitalisierung in Unternehmen – Alles andere als Standard Im Gespräch mit Andreas Christiani

"Die größte Hürde der Digitalisierung ist nicht die Technologie, sondern der Mensch. Hier anzusetzen, ist der Schlüssel zum Erfolg." – Andreas Christiani.

In unserem Gespräch mit dem freien Berater und Digital Native Andreas Christiani haben wir uns in aller Breite zum Thema Digitalisierung in Deutschland austauschen können. Spontan startete das wieder einmal mit dem Thema Schule, um sich dann aber sehr schnell zu Unternehmen im Allgemeinen, dem Einzelhandel im Besonderen oder auch den emphatischen Aspekten bei der Digitalisierung weiterzuentwickeln. Ehe wir uns versahen, waren knapp 45 Minuten rum und wir haben unser selbstgestecktes Ziel von 30 Minuten direkt mit der dritten Ausgabe gerissen. Und schlimmer noch: Wir werden dieses Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt vermutlich noch einmal aufnehmen und vertiefen… ;-) Euch auf jeden Fall – trotz der etwas eingeschränkten Tonqualität – viel Spaß mit dieser Episode!

Zu der Frage, ob die Ausgründung kleiner Startups für Unternehmen eine erfolgversprechende Strategie sein kann…

"Als Taktik ist das aus meiner Sicht geeignet, um mal einen MVP oder Test zu machen. Als Strategie ist es nur dann geeignet, wenn ich mich irgendwann dazu entscheide, das Neue ist irgendwann das Normale und das Alte lasse ich wirklich auslaufen… Was aus meiner Sicht oder Beobachtung bislang noch nicht einmal funktioniert hat, ist…ich gründe mal etwas aus und mache dieses vielbeschworene Schnellboot, das hole ich dann irgendwann ins Mutterschiff und dann transferiert das Schnellboot von innen heraus das Mutterschiff."

Zu den Anforderungen an Führung und Mitarbeiter im Rahmen von Change Prozessen

"Ich glaube wirklich, dass das der Schlüssel zum Erfolg ist: Anders zu führen, anders zu arbeiten. Wo es am Ende drum geht, ist eine Umgebung zu schaffen, wo eigenverantwortlich und selbstorganisiert gearbeitet werden kann."

Zu der Frage, ob das Thema Digitalisierung in Deutschland vielleicht noch immer sehr eindimensional auf Effizienz hin getrimmt ist

"Also diese Sicht auf die Effizienzseite bei der Digitalisierung ist etwas, was wir als Deutsche immer vor Augen haben. Das kennen wir schon relativ lange, das ist uns irgendwie vertraut, nicht immer unbedingt in Digitalisierung, aber in Automation. Und das inkrementelle Optimieren bis zum letzten Promille, das ist ja eine deutsche Tugend, wie man beispielsweise in der deutschen Automobilindustrie ablesen kann. Und das ist vielleicht auch eine ganz gute Metapher… Und was für mich ja das Hauptbetätigungsfeld in der Digitalisierung für mich ist, ist das Thema "Markt und Interaktion" und da ändert sich eben alles viel, viel schneller und viel, viel krasser, passt aber nicht zur Aufgabe einer konkreten und klaren Zielstellung mit der Frage, wie ich hier oder da noch etwas rausholen und optimieren kann."

3
Digitalbilanz 2020 – Unternehmen halten sich für rückständig Digitale Originale reagieren auf aktuelle Studie

2020 hat sich seinen Platz als das Jahr der Corona-Pandemie in den Annalen längst gesichert. Doch vermutlich wird es auch im Rahmen der digitalen Revolution einen wichtigen Meilenstein bilden. Denn in diesem Jahr litten nicht nur die Bürger der Welt über den z.T. maximal eingeschränkten Zugang zum öffentlichen Leben, sondern auch viele Unternehmen, die ihre Existenzberechtigung ausschließlich einer stationären Präsenz verdanken. Die Digitalisierung kann nicht mehr länger nur eine nette Idee betrachtet werden, sondern stellt für viele den Gradmesser zwischen "sein oder nicht sein" dar. Grund genug, einmal mehr auf die "Readyness" deutscher Unternehmen in Sachen Digitalisierung zu schauen und sich mit den Ursachen für den vermeintlichen Status quo zu beschäftigen.

Anders als viele Dienstleister einschlägiger Branchen, geben Ralf und Olli dabei nicht allein den Unternehmen die Schuld an der selbsterkannten Misere, sondern identifizieren ein Konglomerat unterschiedlicher Faktoren und Player als maßgeblich.

Erleben Sie jetzt den ersten Reaction Podcast der Digitalen Originale und abonnieren Sie am Besten auch gleich den Channel!

Viel Spaß mit der Ausgabe wünschen,

Ihre Digitalen Originale

Weblinks zum Thema:

Digitalbilanz 2020: Jedes dritte Unternehmen hält sich selbst für rückständig

soprasteria – Infografik Reality Check Digitalisierung

Bitkom Umfrage: Deutsche Unternehmen bei Digitalisierung nur „befriedigend“

2
Wie digital kann Schule? Im Gespräch mit Albrecht Betzold

Aus dem Podcast:

„Hätte Deutschland eine starke Bildungslobby, dann hätten wir nicht die Bildungsproblematik, die wir haben“

_Wie lässt sich das Problem Digitale Schule lösen? Ist das wirklich eine Frage, die man mit viel Geld auf die Schnelle lösen kann? „Nein, denn das geht in verschiedene Richtungen und fängt schon an bei „viel Geld“… Denn wenn wir den Digitalpakt nehmen, dann klingen 5 Milliarden erst einmal nach einer Menge. Aber jetzt brechen wir es einmal herunter: Wir haben über zehn Millionen Schüler, dann sind noch 500 Euro für einen Schüler übrig. Und da ist jetzt noch kein WLan, da ist kein Internet-Anschluss, der 200-300 User abdecken muss, da ist kein Admin bezahlt, da ist keine Infrastruktur bezahlt, da ist nicht der Einbau bezahlt und nicht die Fortbildung für die Lehrer…“

Warum funktioniert die Digitalisierung in Skandinaviens Schulen besser? „Soweit ich das mitbekomme: Alles gut durchfinanziert und vor allem mehr Lehrer pro Schüler. Und das, was ich mit dem Change Management meinte, die Lehrer abholen und ihnen mitgeben, was sie brauchen, passiert einfach viel umfassender. Und was man dann auch immer noch sehen muss und da muss man Deutschland auch soweit in Schutz nehmen: Skandinavien ist ja jetzt nicht irgendwie ein großes Land. Wir müssen das dann runterbrechen auf kleinere Länder, die dann wieder wengiger Schulen haben, die dann wiederum kleinere Klassen haben. Und wir haben dann mit unseren 10 bis 11 Millionen Schülern, auf 40.000 Schulen, auf 16 Bundesländer, förderal organisiert, eine ganz andere Management Herausforderung an die Schule oder die Kultusministerien.“

Zur Medienkompetenz der Kinder „Gib einem fünfjährigen das Tablet der Eltern und er braucht fünf Minuten um es zu verstehen und weitere zehn Minuten um das Passwort zu knacken.“

_Zur Relevanz dgitaler Kompetenzen _ „Es geht darum, Technik zu verstehen und steuern zu können. Wenn wir das tatsächlich nicht tief verankern und prüfungsrelevant machen, dann ist das so, als hätte man vor zehn Jahren gesagt, wir hören jetzt auf lesen, schreiben und rechnen prüfungsrelevant zu machen. Python oder Java ist im Prinzip wie die nächste Fremdsprache, die man lernen muss, um irgendwo in einer seriösen Welt bestehen zu können. Nicht jeder muss Programmierer sein, aber man muss wissen, um was es geht.“

Weblinks zum Thema:

Betzold Blog für Pädagoginnen und Pädagogen

Digitale Schule: Der Weg ist zunächst das Ziel

WDR Studie – Digitalisierung an Schulen

Digitale Schule in Dänemark

1
Episode 0 Die Nullnummer

Olli und Ralf nehmen Euch mit auf ihre virtuelle Reise durch die digitale Welt. Alle 14 Tage treffen sie entweder Persönlichkeiten, die mit einem ganz eigenem Blick Webtechnologien bestechen oder "reagieren" hemdsärmelig auf aktuelle Themen und Beiträge der Branche.

Deine Marke.
Unser Prozess.
Starte jetzt Dein Projekt

Ein Digitales Original® entsteht nicht auf Zuruf. Unser Ziel ist es die Wahrnehmungsebenen übereinander zu bringen: Habitus und Wirkung.
So authentisch zu kommunizieren um alle Potentiale auszuschöpfen und Weiterentwicklung zu fördern.

 

Wir bringen Wirkung &
Habitus in Einklang

Damit deine Marke das zeigt, was wirklich in ihr steckt: klar, direkt, glaubwürdig. Digitale Originale® mit Ecken und Kanten.

ORÖ
DISZIPLINEN

Die Elemente, aus denen Digitale Originale® entstehen.