Stockshots - Bildvorlagen für Wiederkäuer

Wer - wie wir - regelmäßig mit der Creative Cloud unterwegs ist, wird seit einigen Wochen immer wieder mit umschmeichelnder Werbung für ein neues Produkt aus gleichem Hause malträtiert. Die Rede ist von Adobe Stock. Grund genug, sich einmal grundsätzlich mit der Frage auseinander zu setzen, wie wichtig diese Bildersilos für das eigene kreative Schaffen eigentlich sind.

Keine Frage. Stockfotos sind hochprofessionell und nicht selten perfekt inszeniert. Und tatsächlich gibt es Motive, die sich mit den eigenen Bordmitteln und vertretbarem Aufwand kaum abbilden lassen. Und doch ist es vielleicht eben auch gerade diese demonstrativ zur Schau gestellte Makellosigkeit, dieser idealtypische Ausdruck, der - in Tateinheit mit einem schier inflationären Vorkommen - beim bloßen Betrachten häufig gähnende Langeweile verursacht. Wer sich auf der Suche nach einem Quell der Inspiration befindet, entdeckt mit den Stockshots in der Regel eher einen Kreativitätskiller.

Aber nicht nur für die Kreativen selbst, auch für deren Kunden gilt es stets gut abzuwägen, an welchen Stellen und in welchem Kontext sie auf die visuelle Massenware zurückgreifen. Denn mal ehrlich: Was soll ein Bild, das in gleicher oder vergleichbarer Weise an tausenden anderen medialen Orten prangt, dem Betrachter denn schon vermitteln? Soll es Vertrauen stiften oder Authentizität vermitteln? Das erscheint nur sehr schwer vorstellbar. Denn wer besitzt schon so viel Fantasie, dass er der jungen, aparten Dame mit dem Headset zutraut, gleichzeitig die Service-Hotline von mehreren hundert Unternehmen bundesweit zu bedienen?

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Bilder sollen zunächst einmal Botschaften vermitteln. Klar, das können Stockbilder leisten. Aber Bilder sollen eben auch ein Stück der Wirklichkeit abbilden. Den Betrachter zu einem Zeugen des Augenblicks werden lassen. Ihn ein klein wenig hinter den Vorhang kiebitzen lassen. Und da beginnt dann die Fassade des Stockmotivs schnell zu bröckeln. Mit der Gewohnheit beginnt die Neugierde zu erlöschen und die Abbildung wird austauschbar.

Wer seinen Betrachter für sich einnehmen möchte, sollte auch bereit sein, ein Stück seiner eigenen Wirklichkeit preiszugeben. Mit einer authentischen Kulisse und mit echten Menschen, die genau das tun, wofür sie stehen und damit auch nicht hinter dem Berg halten müssen. Orte und Protagonisten mit Ecken und Kanten, bei denen sich, im Moment des Auslösens, vielleicht auch einmal eine geringe Unschärfe einstellt.

Und wer glauben sollte, bei einem gebuchten, professionellen Fotoshooting schnell in monetäre Schieflage zu geraten und aus diesem Grund auf die Tröge voller Gebrauchtbilder schielt, mag sich mit einer beherzten Anfrage gerne eines besseren belehren lassen. Denn in der Zeit, die ein Kreativer mit der Recherche, Auswahl und Bearbeitung von Stockshots verbringt, kann man ihn getrost auch einige dutzend Mal auf den Auslöser seiner Spiegelreflexkamera drücken lassen. Probieren Sie es einfach aus und Sie werden begeistert sein.

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